<p style="text-align: center;"><strong><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;">Die Tagesschau ist ungewollt offenherzig.</span></strong></p>

Ein aufmerksamer Beobachter der ARD-Tagesschau kann aus deren Bericht vom 21. Februar 2019 herauslesen, wie sich der „Aufstand gegen das Assad-Regime“ wirklich abgespielt hat.


Diesen Artikel habe ich übrigens nicht als „Nachricht“ kategorisiert – es käme mir peinlich vor. Aber um der unfreiwilligen Satire eines selbsternannten Qualitätsmediums Genüge zu tun, nun ein paar satirische Betrachtungen.

Das erste das mich umtrieb, war die Frage: Warum so eine Nach-Richt (b1)?



Was ist daran so wichtig, dass eine aus dem Dienst scheidende „Aktivistin“ des Islamischen Staates in die USA möchte? Ist das relevant – relevant für uns?

Nun, das ist es „eigentlich“ nicht. Relevant ist es natürlich für Jene, die zu immer armseligeren Mittelchen greifen, um dem bösen Trump madig zu machen. Warum sonst sollte der entsprechende Artikel der ARD-Tagesschau mit einer solchen Einleitung versehen sein?

Mit seiner Forderung nach Rückholung von IS-Kämpfern hat der US-Präsident eine Debatte losgetreten. Doch einer Dschihadistin, die zurück in die USA will, verweigert Trump seinerseits die Rückkehr. (1)

Genau so ist es! Außerdem: Mein Gott, so schlimm war DIESE Extremistin doch nun wirklich nicht – bei dem schönen Gesicht. Gut, dass es uns die ARD-Tagesschau nicht vorenthält. Wir könnten ja sonst ein völlig falsches Gefühl bekommen, oder (b2)?



Trump, dieser Knülch, will uns dagegen 800 bärtige, böse Terroristen – vor Jahren fleißig im EU-Raum rekrutiert – einfach so unterschieben, um die transatlantische Solidarität weiter mit schwerem Gerät zu untergraben. Aber so ein kleines junges unschuldiges Ding zurück zu nehmen – dafür reicht es nicht. Aber hallo, schauen Sie sich Hoda an. Das war doch keine ECHTE Terroristin, die ist nur ein klitzekleinwenig verführt worden.

Das finde ich ganz toll, dass die ARD-Tagesschau so gut in der Lage ist, zu differenzieren und jeden einzelnen Fall eines fehlgeleiteten jungen Menschen allseitig und unvoreingenommen betrachtet.

„Trump hatte europäische Länder wie Deutschland zuvor dazu aufgerufen, mehr als 800 in Syrien gefangene IS-Kämpfer zurückzunehmen und vor Gericht zu stellen. Falls die Verbündeten nicht reagierten, seien die USA gezwungen, die Kämpfer auf freien Fuß zu setzen. Diese sind aber nicht in US-Gewahrsam, sondern in der Gewalt kurdischer Kräfte.“ (2)

Neiiiin, da kann die USA niiiieeemals ran. Die IS-Grazie ist in Kurdenhand und die Kurden tanzen dem US-geführten Inherent Resolve seit Jahren auf der Nase rum – machen einfach, was sie wollen. Wenn die Kurden zur Führung von Inherent Resolve sagen: „Ihr kommt bei uns nicht rein.“. Dann gehen die da auch nicht rein, das ist doch hoffentlich jedem medienkonsumtechnisch Einbalsamierten völlig klar – oder (3)?

Sollten Sie zweifeln, liebe Leser: Die ARD meint das ernst! Die möchte uns tatsächlich einreden, dass es die Kurden sind, die entscheiden, was mit gefangenen Kämpfern und Angehörigen des Islamischen Staates geschieht. Da lach ich mir doch nen richtig dicken Ast.

Schon jetzt lässt sich sagen: Der Besuch im ARD-Märchenland hat sich wieder einmal gelohnt.

Allerdings richten die Jungs von der SDF exakt die gleiche Botschaft wie Trump an das wertewestliche Europa: „Nehmt eure Gangster zurück, wir brauchen die hier nicht (mehr)“. Also – was denn nun?

Übrigens befinden sich unter denen auch noch ein paar deutsche Feingeister (4). Auf eine öffentliche Verhandlung vor einem deutschen Gericht, die sich mit dem Werdegang europäischer Terroristen und ihren Weg nach Syrien und den logistischen Umständen ihrer Versorgung dort ausführlichst und transparent befasst, freut sich sicher nicht nur meine Wenigkeit. Freut sich auch die deutsche Regierung und deren Behörden? Mir deucht, deren Schaum der Vorfreude ist doch arg gebremst (5).

Um noch einmal auf unsere wunderhübsche IS-Gespielin zurückzukommen. Schauen Sie sich Bilder von echten (Staats-)Terroristen an, um zu verstehen, was das Bild der feschen Hoda in unseren Medien bezwecken darf. Dann erkennen Sie den Unterschied, denn echte (Staats-)Terroristen gucken bei der Tagesschau immer böse, so wie der hier – ein Teufel wie er im Buche steht (b3):



Der wollte gar nicht nach Hause, denn er war schon zu Hause, aber so böse, dass die Europäer als ultimative Vollstrecker zu ihm nach Hause kamen. Vergleichen Sie Ihre nun deutlich verdüsterte Stimmung mit jener, als Sie die arme verführte Hoda bewundern durften. Hat die sich da im Gefangenenlager aber noch mal schön aufschminken dürfen, finden Sie nicht auch?

Na ja, ein wenig verdienen musste sie sich natürlich den Aufenthalt bei den Halsabschneidern:

„In sozialen Medien verbreitete Muthana IS-Propaganda und wiegelte Anhänger gegen die USA auf. Sie zählte zu den prominentesten IS-Agitatoren. Sie gibt jetzt an, dass andere ihren Twitter-Account geführt hätten.“ (6)

Bestimmt.

Überlegen wir uns nun gemeinsam, wie diese Nach-Richt denn den Weg in den Freigeist der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenanstalten gefunden hat. Haben die tapferen kurdischen Ritter erst einmal eine Körperkontrolle im IS-Gefangenenlager durchgeführt, um die unwerte Spreu vom zarten Weizen zu trennen? Das ist eine echte Herausforderung, wenn wir von der Standard-Dienstkleidung einer IS-Muselmanin (äh Frauin) ausgehen (b4):



Also bitte – hat der Leser die anmutige Hoda endlich erkannt? Oder schälte sich die Kleine mutig aus der Burka, als sie von den Sendboten der Demokratie, den Kämpfern der so genannten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ in Empfang genommen wurde?

Wir wissen es nicht.

Doch ist es nicht bemerkenswert, wie den rauen Kämpfern das Herz weich wurde, was sie umgehend in die Welt hinauströten ließ: „Wir haben eine echte Zarte gefunden, die will nach Hause. Wir rufen die Welt auf, uns und ihr zu helfen.“

Die SDF braucht tatsächlich derzeit jede Hilfe, wenn sie nicht hängenden Kopfes heim in Assads Reich einkehren möchte. Deshalb ist sie sich auch für keinen Blödsinn zu schade. Und das Tolle bei der ganzen Sache ist: Die Welt erhörte ihr Flehen und die kleine Hoda ist nun in aller Munde. 

Wer die Welt ist? Natürlich die „Völkergemeinschaft“ – Sie sind doch Teil der Völkergemeinschaft, oder etwa nicht? Was bleibt da einem Sender wie der ARD übrig, als pflichtschuldig das Ereignis bekannt zu geben?

Die Leute wissen echt Bescheid über Syrien.

Oder anders gesagt: Die Leuten lassen sich weiterhin am Nasenring durch die Manege führen – und wissen nichts über Syrien.

Hinzugefügt frage ich: MUSSTE die ARD diesen Dreck mitverbreiten oder hat sie das tatsächlich freiwillig gemacht?

DER ist es, der die kleine verführte Hoda nicht zurücknehmen will, dieser Gangster! Der ist böse! Haben Sie das endlich begriffen? Hate Speech ist übrigens zu Fasching erlaubt, da ist das lustig, ich hab auch selten so gelacht, wie damals, 2017 (b5):



Ja, aber warum das Ganze?


Eine Banalität ist in kreativer Abstimmung innerhalb der Medien- und Meinungsmacht zu einer vermeintlichen Nachricht aufgeblasen worden, weil sie nämlich ausschlachtbar war für die erbitterter Schlacht um die politische Macht in Washington. Und die ARD-Tagesschau hat wieder einmal klare Kante gezeigt und in treuer Gefolgschaft zu den transatlantischen Werten die zugewiesene Stellung bezogen.


Doch halt!

Da war ja noch etwas – und zwar ein Leck im Selbstkontrollmechanismus der Redaktion. Oder sollten die Leute inzwischen mutig-subversiv geworden sein und mit Absicht und klammheimlich an der (Selbst-)Zensur vorbei die B-Geschichte aufgeweicht haben? Denn das wurde sie. Im Folgenden führt uns die ARD-Tagesschau in ihrem Beitrag vorsichtig in die A-Geschichte des Syrien-Krieges ein.

Die heute 24-jährige Hoda Muthana gibt an, in den USA geboren zu sein und so also die US-amerikanische Staatsbürgerschaft zu besitzen – und jetzt kommt es:

„[Die US-amerikanische] Muthana war nach eigenen Angaben 2014 über die Türkei nach Syrien in die damalige IS-Hochburg Al-Rakka gereist, wo sie einen australischen Dschihadisten heiratete. Als dieser getötet wurde, heiratete sie einen Tunesier, der bei der Schlacht um Mossul im Nordirak fiel. 2018 ging sie eine Ehe mit einem syrischen IS-Kämpfer ein.“ (3, Hervorh. PA)

Ach guck, da war ja sogar ein Syrer dabei! Genau so stelle ich mir einen Bürgerkrieg vor, einen innerstaatlichen Konflikt. Die zeichnen sich ja dadurch aus, dass zum Beispiel Syrer gegen ihre tunesischen Landsleute und ihre australischen Dorfnachbarn und deren US-amerikanischen Ehegattinnen in mordsmäßiger Blutfehde aufeinander losgehen. Raketenwerfer und panzerbrechende Waffen gehörten auch schon immer zur Kultur dieser Hinterwäldler. Die haben die dann einfach nur aus dem Keller geholt und los gings.

Was uns die Tagesschau hier zudem noch durch die Blume berichtet ist, dass den harten Jungs und Mädels vom IS ein hohes Maß an territorialer Flexibilität eingeräumt wurde. Von al-Rakka nach Mossul sieht es jetzt mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht so berühmt aus. Außerdem haben die USA und ihre Verbündeten in diesen Gebieten die Lufthoheit wenn nicht sogar Luftherrschaft. Das sollte man nicht ignorieren, denn die lassen gern mal was fallen aus ihren Silbervögeln. Da kann es rasch mal ein Dorf treffen, das aus fehlender Unwissenheit oder auch Ignoranz am falschen Platz aufgebaut – und nun folgerichtig warm abgetragen wurde.

Wahrscheinlich haben die ISler deshalb dem hochgezüchteten Militär von Inherent Resolve immer mit der Sharia gedroht, bevor sie losgefahren sind. Diese Flexibilität durfte sich die Syrische Arabische Armee (SAA) niemals erlauben. Wenn die mal – beachten wir: auf dem Boden des eigenen Staatsgebietes – einen Kilometer zu weit über den Euphrat nach Osten sind, gab es aber ordentlich auf die Mütze.

Wenn Sie jetzt noch erkennen, dass uns die Tagesschau in dieser kurzen Passage auch noch vermittelt, WIE und VON WO die Freiheitskämpfer mit den rasch wachsenden Rauschebärten – bitte beachten, die kleine zarte, wunderhübsche Hoda war immer nur mit – unter Umgehung des Visa-Zwangs in Syrien einreisten, nämlich über die Türkei. Ja, dann keimt in meinem Herzen Hoffnung auf.

Mein Glaube an das Gute sagt mir, dass die Geschichte mit der Subversion in der Tagesschau-Redaktion stimmt. Ewig kann man sich nicht so das Gehirn mit Opiaten und hochprozentigen Alkoholika vollpumpen, um den Schmerz der Selbstverleugnung ausreichend zu dämpfen. Daher: Daumen hoch für die Mutigen bei der ARD-Tagesschau.

Bleiben Sie bitte alle recht schön aufmerksam.


Anmerkungen

(Allgemein) Dieses Werk von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann es gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

Quellen

(1,2,6) 21.2.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/usa-is-kaempferin-rueckkehr-101.html

(3,4) 24.2.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/kurden-is-101.html

(5) 21.2.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/usa-is-kaempferin-rueckkehr-101.html

(b1) Bildschirmausschnitt der ARD-Tagesschau; 21.2.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/usa-is-kaempferin-rueckkehr-101.html

(b2) Hoda Mothana; entnommen bei ARD-Tagesschau vom 21.2.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/usa-is-kaempferin-rueckkehr-101.html

(b3) Bildschirmausschnitt der ARD aus Video einer Gaddafi-Rede im Jahre 2011; 25.2.2011; https://www.tagesschau.de/ausland/gaddafi212.html

(b4) Sonia Sevilla; 14.10.2013; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Saudi_Arabian_woman_with_Burqa_taking_photo_from_Mosque_of_Mohammad_al_Mahruq_-_Nishapur_3.JPG?uselang=de; Lizenz: Creative Commons CC1.0

(b5) Bild von Donald Trump; dito; Titel: Basel Morgenstraich: Trump-Laterne; https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/basel-105~_v-videowebl.jpg; Originalquelle: dpa

(Titelbild) Märchenwald, Geschichte, Mädchen; Autor: pixel2013 (Pixabay); März 2018; https://pixabay.com/de/photos/fantasie-m%C3%A4rchenwald-m%C3%A4dchen-wald-3237644/; Lizenz: Pixabay License

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1 Kommentar

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  1. Hallo Ped,

    du hast die frühere „Dauerwerbesendung“ für bewaffneten „Widerstand“ in Syrien durch die Tageschau vergessen zu erwähnen. Mit einer solchen medialen Propaganda wird doch allen Menschen, gerade auch jungen Menschen mit geringerem Bildungsniveau wie Hoda, folgendes vermittelt.

    Wenn ihr ein wenig Abenteuer erleben und Krieg spielen wollt, dann geht bitte nach Syrien. Dort könnt Ihr auf Soldaten und Polizisten des bösen Assad schießen und wir machen euch zum heldenhaften Oppositionellen/Rebellen, weil ihr euch dem Regime von Assad widersetzt.

    Aber vielleicht haben Sie ihren Fehler eingesehen und werben deswegen für die Rückkehr 😉

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