<p style="text-align: center;"><strong><span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt;">Was geschieht, wenn unsere Sicht der Welt keine andere Sicht mehr neben sich duldet?</span></strong></p>

Die Grenzen zwischen einem eigenen, selbstbewusst vertretenen Weltbild und dem Verteidigen einer übernommenen Ideologie sind fließend. Dann aber, wenn wir die Ausschließlichkeit dieses Weltbildes als selbstverständlich ansehen, sind wir im Dogmatismus gelandet. Dort spätestens beginnt der Kampf gegen jeden Andersdenkenden. Ruben Schattevoy hat sich mit diesem Problem etwas intensiver befasst.


„Dieses Blog ist nicht dazu geeignet, sich seiner eigenen Götter – auch Ideologien genannt – zu versichern und gleichzeitig in den dann für die Opponenten folgerichtigen Kampf gegen die fremden Götter (sprich Ideologien) zu gehen. Der Kampf gegen die fremden Götter ist Teil der Matrix, die Pflege von Feindbildern destruktiv verschwendete Energie.“ (1)

Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, was Ideologien sind, ob sie notwendig, unvermeidlich oder zwangsläufig sind und ob es vielleicht doch Alternativen gibt. Bei meinen Überlegungen haben mir dieses Blog und die Diskussionen hier im Forum enorm viel geholfen. Selbstverständlich haben mir auch viele andere Artikel weiter geholfen, auf die ich bei meinen Streifzügen durch die freie Medienwelt gestoßen bin.

Eine Quelle, die mich dabei ganz besonders inspiriert hat sind die inzwischen drei Bücher von Yuval Noah Harari und dort besonders das dritte Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“. Yuval Noah Harari hat in seiner Trilogie, wenn man so will, Aufstieg, Zenit und Niedergang der Ideologien nachvollzogen und am Ende seine persönliche ideologiefreie Alternative vorgestellt.

Ich habe versucht, aus all diesen Quellen eine für mich zusammenhängende, in sich logische und mit meinen Erfahrungen vereinbare Gesamtgeschichte zu entwickeln. Bestimmt verwende ich manchen Begriff abweichend zu dem, was Fachleute für Sprache, Philosophie und so weiter gewohnt sind. Ich wollte die Geschichte so schreiben, dass ich sie verstehe und nicht so, dass ich sie als wissenschaftliche Abhandlung veröffentlichen kann. Los gehts:

Ideologien sind selbsterfüllende Prophezeiungen, die sich genau nur dann realisieren, wenn (fast) alle daran glauben und sich auch danach verhalten. Aus Ideologien lassen sich handlungsleitende Normen (Moral) ableiten. In dem Sinn sind nicht nur der Kapitalismus, der Neoliberalismus, der Kommunismus, die Weltreligionen und so weiter Ideologien, sondern auch die Demokratie.

Dogmatiker stellen sich selbst über die Normen – also die Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen – ihrer jeweiligen Ideologie, um eben dieser Ideologie Geltung zu verschaffen. Dogmatiker entwickeln eigene handlungsleitende Normen (Doppelmoral). In diesem Sinn sind der Tiefenstaat, die Geheimdienste, die Kreuzzüge, die Schutzverantwortung und wie sie alle heißen mögen dogmatische Überprägungen von ursprünglich gut gemeinten Ideologien.

Ideologien kondensieren immer zu Hierarchien. In gereiften Hierarchien machen Psychopathen – im Sinne der „dunklen Triade“ (2,3) – die obersten Ränge unter sich aus. Die Psychopathen sind geeint im Bestreben, permanenten und stetig wachsenden Handlungsdruck zu erzeugen, der nach Führungspersönlichkeiten wie ihnen schreit. Reife Hierarchien zeichnen sich dadurch aus, dass die Normen geschleift wurden, da sich Psychopathen auf Dauer von blutleeren Normen keine Fesseln anlegen lassen und diese abzustreifen wissen. Reife Hierarchien sind geprägt von Doppelmoral und Neusprech. Ideologien, die zu Hierarchien kondensiert sind, entarten früher oder später immer in einen Dogmatismus.

Demokratie ist – wie schon gesagt – auch eine Ideologie. Demokratie ist bei uns im Wertewesten zu einer Hierarchie kondensiert und mittlerweile auch gereift und dogmatisch geworden. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?

Ich denke, dass wir uns zunächst auf eine Basis verständigen müssen, die absolut ideologiefrei ist. Ethik – im Gegensatz zu Moral – ist per Definition ideologiefrei. Leitideale wie Solidarität, Mitgefühl und Zivilcourage sind ideologiefrei, sie betreffen die Beziehung von Mensch zu Mensch. Der Leitsatz „Tue keinem, was Du nicht willst, was Dir geschieht“ korrespondiert mit der „negativen Freiheit“ und ist ideologiefrei. Der umgekehrte Leitsatz „Tue allen, was Du willst, was Dir geschieht“ korrespondiert mit der „positiven Freiheit“. Er wäre zwar auch ideologiefrei, ich empfände eine darauf basierende Ethik aber als übergriffig.

Ausgehend von einer gefestigten und weitgehend anerkannten Ethik, könnten wir uns vielleicht auch wieder an die Ideologie der Demokratie heranwagen, müssten aber darin übereinkommen, das Geschehen um uns herum permanent gegen unsere Ethik zu prüfen. Im Zweifel ginge Ethik über Moral. Wir müssten in dauerhaftem Bemühen sicherstellen, dass wir als Gesellschaft noch auf dem rechten Weg sind. Wir müssten Psychopathen von den Schalthebeln der Macht fernhalten. Wir dürften uns keinen Handlungsdruck aufzwingen oder die Normen der Demokratie schleifen lassen.

Wenn wir schon nicht auf Hierarchie verzichten wollen sollten, müssten wir sie widerstandsfähig machen, gegen den zu erwartenden Angriff der Psychopathen. Dazu bräuchte es kluge Regeln – wie Verfassung, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und weitere – vor allem aber die permanente Wachsamkeit von uns allen. Es reicht nicht, die Ideologie robust zu machen, wir müssten sie antifragil machen. Das heißt, die Demokratie muss aus jedem Angriff nochmals gestärkt hervorgehen. Dies könnten wir erreichen, indem wir unseren Energiefluss beobachten und ihn dorthin lenken, wo es sich ethisch anfühlt. Trotzdem lehrt uns die Erfahrung, dass wir nicht zu hoffnungsvoll sein dürfen, das Abkippen in einen Dogmatismus auf Dauer verhindern zu können.

Für mich sind die Menschenwürde, die Menschenrechte, die Ideale der Aufklärung – die da heißen Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit – die Vernunft, die Wissenschaft und einiges mehr handlungsleitend. Ich sehe es so, dass jeder Mensch – auch wenn er sich als Psychopath äußert – gut ist und in bester Absicht handelt. Dessen unbenommen, empfinden andere Menschen nicht jede gut gemeinte Handlung auch tatsächlich als gut. Die echte Demokratie ist ein Ausfluss aus diesen an und für sich ideologiefreien Idealen. Bin ich, wenn ich diesen Idealen anhänge, also am Ende doch ideologisch? Ich glaube nicht. Ich meine, dass nicht jedes Ideal zu einer Ideologie hochstilisiert werden muss, von einer dogmatischen Entartung ganz zu schweigen.

Aufgrund meiner Ideale habe ich beispielsweise eine Haltung entwickelt, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Wenn ich dann aber feststellen muss, dass es in meiner Umgebung viele Menschen gibt, die sich selbst als so wenig von der Gesellschaft angenommen fühlen, dass sie Flüchtlinge nicht willkommen heißen können, kehre ich wieder zu meinen Idealen zurück. Dabei stelle ich fest, dass ich an den Gefühlen der Menschen in meiner Umgebung nicht vorbei kann.

Ich komme zu dem Ergebnis, dass in unserer Demokratie etwas gründlich schief läuft, wenn sich diese Menschen so wenig angenommen fühlen, dass sie sich so „unmenschlich“ verhalten. Die Konsequenz ist, dass ich mich dafür einsetze, dass sich zunächst einmal die Menschen in meiner Umgebung in Liebe angenommen fühlen. Danach können wir dann auch wieder gemeinsam Flüchtlinge willkommen heißen. Dieser Vorgang basiert rein auf meiner Ethik und ist absolut ideologiefrei.

Selbstverständlich beschränkt sich mein Wirkungsbereich dann auf mich und meine unmittelbare Umgebung. Ich muss mich von dem Gedanken großer Reichweite oder gar „einem Platz in den Geschichtsbüchern“ – Psychopathie ist quasi die Eintrittskarte dafür – verabschieden. Ebenso bedeutet es, dass mein Wirken im Sinn meiner Ideale von großer Langsamkeit ist. Ich brauche Geduld und Demut. Ich muss mir eingestehen, dass ich gering bin. Das ist der Preis für die Ideologiefreiheit. Mir ist bewusst, dass viele diesen Preis nicht werden zahlen wollen. Den Gedanken, so endlich, so beschränkt, so klein und letztlich so unbedeutend zu sein, lässt unser Ego kaum passieren. Da drückt eine tiefe Angst von innen dagegen.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – einschließlich der Nennung des Autors – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(1) 30.1.2019; https://peds-ansichten.de/2019/01/juden-feindbild-propaganda-ideologien/

(2) https://pd-weltformel.blogspot.com/2016/09/dunkle-triade.html; entnommen: 31.1.2019

(3) Die Psychologie unserer Abgründe; Julia Shaw; 2018; https://www.wbg-wissenverbindet.de/14672/boese

(Titelbild) Emotionen; 11.2.2017; Autor: Lars_Nissen_Photoart (Pixabay); https://pixabay.com/de/liebe-wut-trauer-hass-entkommen-2055960/; Lizenz: Pixabay License

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23 Kommentare

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  1. Lieber Ruben,

    nachdem ich nun ein paar Tage an Ihrem Beitrag herumgekaut habe ist mir immer noch nicht klar, worum es Ihnen genau geht. Schön und gut, dass Sie die Geschichte so geschrieben haben, dass Sie sie verstehen, aber wenn man etwas veröffentlicht, sollte man auch an die Leser denken. Was mir nicht einleuchtet, ist, wie irgendetwas von Menschen erdachtes ideologiefrei (im Sinne des Wortes) sein kann. Ist nicht auch die Ethik eine Idee, die mit einem bestimmten Ziel gelehrt wird? Sie setzen Ethik ins Gegenteil zur Moral, dabei soll jene doch zu einem moralischen Verhalten führen, wenn ich das mit der Ethik richtig verstanden habe. Sie schreiben:

    „Dogmatiker entwickeln eigene handlungsleitende Normen (Doppelmoral).“

    und weiter unten schreiben Sie von „meiner Ethik“. Sodann erheben Sie Freiheit und Gleichheit zum Ideal, offensichtlich ohne zu bedenken, dass es eine bedingungslose Freiheit nicht geben kann und Gleichheit ein fauler Zauber ist. Gleichwertigkeit ja. Aber Gleichheit? Freiheit und Gleichheit sind schon lange zur „dogmatischen Entartung“ hochstilisiert worden. Ebenso lässt sich über Menschlichkeit streiten. Wenn ich einen Unfall hätte, bei dem mir beide Beine abgerissen werden, hielten Sie es sicher für menschlich, mich zu retten, ich würde mich jedoch mit Händen und ohne Füße dagegen wehren, gerettet zu werden.

    Zitat: „Aufgrund meiner Ideale habe ich beispielsweise eine Haltung entwickelt, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Wenn ich dann aber feststellen muss, dass es in meiner Umgebung viele Menschen gibt, die sich selbst als so wenig von der Gesellschaft angenommen fühlen, dass sie Flüchtlinge nicht willkommen heißen können, …“.

    Mit dieser Aussage habe ich das größte Problem. Darf ich fragen, wie Sie das festgestellt haben? Mir geht es bspw. am A…h vorbei, ob die Gesellschaft mich annimmt oder nicht und ich heiße Flüchtlinge nur bedingt willkommen. Was schließen Sie daraus?

    Ich denke, dass Sie die Bedingtheit bei allem außer Acht lassen, was für Sie handlungsleitend ist. Zumindest haben sie sie nicht erwähnt und ich kann mit dem ganzen Text nicht so richtig was anfangen, obwohl ich ahne, worum es Ihnen geht und ich da wohl sicher mitgehen kann. 🙂

    Herzliche Grüße

    1. Lieber Till,

      also ich für mich definiere Ethik mit den Regeln, die ich mir – mit Herz und Seele – als Mensch selbst auferlege. Damit definiere ich auch meine Freiheit. Moral ist gesellschaftlich vorgegeben, also aufgestülpt. Natürlich gibt es Überschneidungen zwischen Moral und Ethik. Propaganda nutzt gern moralische Kategorien, weil sie an die ethischen Normen anknüpfen.

      Dogmatiker kommen ohne Doppelmoral nicht aus. Da ihr Weltbild unabänderlich und vor allem für alle anderen Menschen auch gültig sein MUSS, benötigen sie passende moralische Kategorien für den jeweiligen Anwendungsfall. Dann eben ist Krieg Frieden – ganz nach Orwell. Mit Ethik hat das nichts mehr zu tun, mit Moral schon. Moral ist in gewisser Weise beliebig.

      „Mir geht es bspw. am A…h vorbei, ob die Gesellschaft mich annimmt“

      Wirklich? Mir nicht. Da wir soziale Wesen sind, kommt das Bedürfnis nach Aufnahme und Wertschätzung aus unserem tiefsten Inneren. Diese Sehnsucht lässt sich gut missbrauchen und das tut man auch.

      Mich erstaunt die Dissonanz, die Rubens Text – nicht nur bei Ihnen – erzeugt. Zumal er ja nur seine Sicht beschreibt. Da ist viel (zu hinterfragendes) Unwohlsein die mit Dialektik beantwortet wird, statt die Gedanken aufzugreifen, weiterzuentwickeln oder auch neue anzubieten.

      Herzliche Grüße, Ped

      1. Lieber Ped,

        ich versuche ja die Gedanken aufzugreifen, dafür muss ich sie aber erstmal verstehen. Ich hoffe, dass mein Kommentar nicht als Angriff verstanden wird, es ist tatsächlich so, dass ich nicht wirklich verstehe, worum es geht. Wenn Unwohlsein bei mir vorhanden ist dann deshalb, weil mir der Text unausgegoren vorkommt, als hätte Ruben einiges vergessen oder so.

        Das mit der Gesellschaft ist mir wohl deshalb nicht so wichtig, weil ich mich nie großartig um Aufnahme und Wertschätzung bemühen musste, wo ich sie brauchte fielen sie mir wie selbstverständlich zu. Schon seit vielen Jahren lege ich aber keinen Wert mehr darauf, von so einer Gesellschaft wie der heutigen geschätzt zu werden und ich entscheide, ob ich jemanden aufnehme oder nicht. Wenn es mir mal nicht so gut geht, konsultiere ich Dr. Wald, die Gesellschaft brauche ich nicht mehr. 😉

      2. Lieber Till,

        dass dieser Artikel von Ruben veröffentlicht wurde, beruht auf der Bitte meinerseits. Denn „eigentlich“ war es „nur“ ein Kommentar. Das möchte zeigen, für wie wertvoll ich die formulierten Gedanken halte.

        „Weil mir der Text unausgegoren vorkommt […]“

        Das ist in keiner Weise konkret, sondern eine ausgedrückte Emotion. Als ich Ihnen vorhin von Dissonanz schrieb, meinte ich genau das. Sie können es nicht präzise beschreiben und haben stattdessen nur ein „schlechtes“ Gefühl. Das sind sehr wertvolle Erfahrungen, wenn man sie bewusst wahrnimmt.

        Was ich aus dem Artikel erfahren habe, ist zum Einen die ernsthafte Suche nach Begrifflichkeiten und wie sie verwendet werden.

        • Ethik und Moral
        • Ideologie und Dogmatismus

        Daraus leitete er – für sich selbst(!) – Hypothesen ab.

        • Mensch nutzt Ethik.
        • Menschen mit Ideologien nutzen (außerdem) Moral.
        • Menschen mit Dogmen nutzen (zudem) Doppelmoral.

        Außerdem sieht er eine Tendenz in gesellschaftlichen Strukturen.
        Auf Ideologien basierende Systeme verkrusten (kondensieren) mit der Zeit und werden irgendwann von Dogmatikern (Psychopathen) beherrscht. Wir können das auch gern Faschismus nennen. Wenn das passiert ist, gibt es nur noch die (beliebig wandelbare) Moral, welche die Psychopathen „zum Spielen“ benötigen.

        Diese Überlegungen – ich hoffe, sie richtig wiedergegeben zu haben – erscheinen mir sehr griffig und im Leben wiedererkennbar. Man kann sie nicht aufbrechen, sondern einfach trocken legen. In dem man sie nicht mit der eigenen wertvollen Energie „bewässert“. Das dies im jeweiligen, konkreten Fall durchaus nicht banal zu bewerkstelligen ist, darüber bin ich mir schon im Klaren.

        Herzlich, Ped

      3. Lieber Ped,

        vielen Dank für die Antwort, die schon etwas Licht ins Dunkle bringt. Ich gehe mal davon aus, dass Ruben sich auch noch dazu äußert und ordne bis dahin meine Gedanken dazu.

        Herzliche Grüße

        P.S. Die Benachrichtigung über neue Beiträge und Kommentare funktioniet bei mir immer noch nicht. Hat noch jemand das Problem oder liegt es vielleicht in meinen Browsereinstellungen?

      4. Lieber Till, lieber Ped,

        ich war die letzten Tage mit Familie und Beruf ausgelastet und jetzt ist es auch schon wieder spät. Ich danke Till, dass Sie (waren wir nicht schon mal beim Du?) sich so genau mit meinem Text befasst haben und ich danke Ped, dass Du meinen Text nochmal mit Deinen Worten so treffend auf den Punkt gebracht hast.

        Ein Punkt in meinem Text ist bisher noch nicht aufgegriffen worden. Nämlich, dass Ideale zunächst einmal ideologiefrei sind. Wenn ich einfach gut mit den Individuen in meiner Umgebung auskommen und wenn ich umgekehrt von den Individuen in meiner Umgebung auch gut behandelt werden will, bleiben meine Gedanken bei den Individuen. Die Ideologie nimmt für mich ihren Anfang genau dort, wo ich nicht mehr die mir persönlich bekannten Individuen sehe, sondern beginne in Kollektiven zu denken. Wenn die Beziehungen beginnen asymmetrisch zu werden und ich nach Möglichkeiten suche, die Reichweite meiner Ideale zu erweitern, indem ich andere dafür einspanne. An anderer Stelle hatte ich schon mal den für mich fundamentalen Unterschied zwischen individueller Notwehr und der von Psychopathen erfundenen kollektiven Notwehr beschrieben.

        Yuval Noah Harari hat insbesondere in seinem ersten Buch in beeindruckender Weise herausgearbeitet, wie essentiell Ideologien und auch der sich immer wieder Bahn brechende Dogmatismus waren, um als Menschheit dahin zu kommen, wo wir heute sind. Ohne Ideologien und Dogmatismus befände sich die Menschheit heute immer noch in der Steinzeit. Nun mag der eine oder andere das beklagen, aber wir können doch nur aus dem Hier und Jetzt heraus handeln. Und da bin ich mir unsicher, ob wir aus der Klemme in die uns die zum Dogmatismus entarteten Ideologien getrieben haben, noch herauskommen, ohne nochmal auf eine in eine Hierarchie gegossene Ideologie zu setzen. An diesem Dilemma knabbere ich nun schon eine Weile.

        Ich melde mich nochmal, wenn ich etwas mehr Luft zum Nachdenken über die aufgeworfenen Fragen und zum Schreiben habe.

        Viele Grüße

        Ruben

      5. Lieber Ruben,

        Du hast Recht, wir waren schon beim Du, bin wohl etwas durcheinander gekommen. Ich halte es damit normalerweise so, dass ich jeden Menschen mit großem Du anspreche, mit dem ich mich geistig verwandt fühle, das kleine du drückt geringe Wertschätzung aus und das Sie meinen Respekt vor wesentlich älteren Menschen. In diesem Sinne habe ich auch Ped beim ersten mal geduzt, weil er aber beim Sie blieb dachte ich, dass mein Du wohl als respektlos empfunden wurde und nun weiß ich immer nicht so richtig, welche Form ich bei wem nutzen kann. Denke bitte nicht, dass ich mich mit dem Sie von Dir distanzieren wollte, Du besitzt meine höchste Wertschätzung.

        Zitat: „Nämlich, dass Ideale zunächst einmal ideologiefrei sind.“

        Das ist der Schlüsselsatz, der bei mir den Klick ausgelöst hat und mir ist nun klar worum es Dir geht, hoffe ich zumindest. Auch das weiter unten beschriebene Dilemma verstehe ich. M. M. n. gibt es nur eine Lösung. NEIN sagen und NEIN tun.

        Zitat: „Ohne Ideologien und Dogmatismus befände sich die Menschheit heute immer noch in der Steinzeit.“

        Dann kann man wohl auch sagen, dass wir ohne gewisse Ideologien und Dogmen nicht in der Sch..ße stecken würden. Dieses „andere für seine Ideale einspannen“ ist es, was die Menschheit an den Rand der Selbstzerstörung gebracht hat. Jeder Mensch (und jedes Wesen) ist zunächst mal egoistisch. Im Mittelpunkt steht das ICH, das sich aber irgendwann bewusst wird, dass ICH nichts ist ohne die Familie, die Familie nichts ohne den Stamm, der Stamm nichts ohne das Volk. Der „normale“ Mensch wird sich sagen, ich muss alles mir mögliche für das Wohl der Familie einsetzen, die Familie für den Stamm u. s. w., damit es mir wohl ergeht. Die herrschenden Psychopathen sehen das anders, sie wollen nichts geben sondern nehmen und spannen andere mit großem Geschick für sich ein. Das hat dazu geführt, dass wir bei Volk stehen geblieben sind, ohne zu sehen, dass ein Volk auch nichts ist ohne alle anderen Völker, mit denen wir uns die Erde teilen. Nun ist Teilen eben nicht das, was Psychopathen in Erwägung ziehen, weshalb sie zum wirksamsten Mittel greifen, der Spaltung bis hin zu den s. g. Sozialatomen. An diesem Punkt stehen wir heute. Was kann man diesem entgegensetzen außer einem NEIN? Da haben wir wieder das von Dir genannte Dilemma. Die Erkenntnis, dass ich nichts ohne Familie bin u. s. w. ist keine Ideologie, sonder reine Vernunft. Sie ist essentiell für den Fortbestand der Menschheit, denn nur wenn für das Wohl aller Wesen inklusive des Planeten gesorgt wird, ist auch für mein Wohl und das meiner Nachkommen gesorgt.

        Soweit meine Gedanken dazu.

        Herzliche Grüße

      6. Lieber Till,

        Denke bitte nicht, dass ich mich mit dem Sie von Dir distanzieren wollte, Du besitzt meine höchste Wertschätzung.

        Alles gut! Ich hatte auch eher ein Versehen angenommen… und vielen Dank auch von mir für den immer wieder fruchtbaren Gedankenaustausch mit Dir.

        Auch das weiter unten beschriebene Dilemma verstehe ich. M. M. n. gibt es nur eine Lösung. NEIN sagen und NEIN tun.

        Jeder Mensch ist zunächst mal egoistisch. Im Mittelpunkt steht das ICH, das sich aber irgendwann bewusst wird, dass ICH nichts ist ohne die Familie, die Familie…

        Ich fühle mich meinen Kindern oder allgemein der Kindergeneration auf das engste verbunden. Ich wünsche mir für sie, dass sie alle Chancen auf ein gutes Leben haben und hoffe, dass ihnen ein gutes Leben vergönnt sein wird. Zu einem guten Leben gehört auch die Freiheit sich wiederum für Kinder entscheiden zu können. Meine Kinder werden ihren Kindern die gleichen Gefühle entgegenbringen. Es geht mir also nur gut, wenn ich die Generationenkette nicht abbrechen sehe. Nach meiner Einschätzung wird die Generationenkette aber bereits bei meinen Kindern abbrechen.

        Wenn ich Dich richtig verstanden habe, siehst Du das so ähnlich.

        Mein Dilemma entsteht erst durch meine zweite Einschätzung, nämlich, dass unsere Zivilisation bzw. die Menschheit ihren Untergang nur noch abwenden kann, wenn wir uns erneut (eventuell gemäß einer anderen Ideologie) hierarchisch organisiert. Wenn meine beiden Einschätzung zutreffend sind, ist ein »Neinsagen und Nichtstun« zu wenig für meine Kinder und Kindeskinder. Auf eine eventuell andere Ideologie und wieder auf eine Hierarchie zu deren Verwirklichung zu setzen, führt aber zu alldem, was ich in dem Artikel beschrieben habe. Alleine schon die Frage, wer diese neue Bewegung anführen soll… Ich sehe die Psychopathen schon mit den Hufen scharren. Sie werden genau das tun, was ich hier auch gerade tue, nämlich ein Gefühl der Dringlichkeit für beherztes Handeln bei ihren Mitmenschen erzeugen. Weil schon die Generationen vor uns auf Ideologien, Hierarchien und Psychopathen gesetzt haben, sind wir dahin gelangt, wo wir heute sind. Wie ich mich auch drehe und wende, ich komme da nicht raus. Ein Dilemma halt.

        Dilemmata sind, wie ich in meinem Leben herausgefunden habe, von unschätzbarem Wert. Dilemmata sind quasi die Überraschungseier des Lebens. Man muss so viele wie möglich finden! Wenn man sie knackt, geben sie einen Schatz frei. Jedes neue Dilemma mit dem ich bisher klar gekommen bin, hat mir einen neuen unverhofften Freiheitsgrad beschert. An diesem Ideal-Ideologie-Dilemma knabbere ich aber wie gesagt noch.

        Es könnte beispielsweise sein, dass es einen dritten Weg gibt. Mehr als Ideale, aber weniger als eine Ideologie. Hierarchien sind nicht alternativlos. Gabriele Weis hatte, wenn ich sie richtig verstanden habe, den Gedanken von lokalen und lokal vernetzten genossenschaftlichen Organisationen ins Forum eingebracht. Aufs große ganze betrachtet nennt man das, was daraus entsteht wohl eine Heterarchie.

        Selbst wenn ein dritter Weg prinzipiell der bessere und geeignet wäre, bliebe die Frage, ob wir noch genug Handlungsspielraum haben, um uns von den tief in unsere Kultur eingegrabenen Denkmuster zu befreien und umzulernen. Viel zu verlieren haben wir aber eigentlich auch nicht.

        Die Menschheit wird mit dem Gegensteuern erst anfangen, wenn das Ende schon ganz nah ist. Dann wird extrem wenig Handlungsspielraum übrig sein. Die Schäden – auch an Menschenleben und auch in unserer direkten Umgebung – werden bereits schmerzlich hoch sein. Wir könnten bis dahin schon mal den dritten Weg suchen und damit im Kleinen praktische Erfahrungen sammeln. Dann könnten wir zu gegebener Zeit als »Change-Enabler« für die Multiplikation in großem Maßstab dienen.

        Viele Grüße

        Ruben

      7. Lieber Ruben,

        »Neinsagen und Nichtstun« habe ich nicht geschrieben und auch nicht gemeint. Neintun ist etwas anderes als Nichtstun. Es geht um vernunftbasiertes Handeln. Wenn Nordseekrabben zum Pulen nach Marokko und wieder zurück gekarrt werden, hat das nichts mir Vernunft zu tun. Psychopathen sehen das selbstverständlich anders und finden Argumente um Menschen dazu zu bringen, bei so einem Blödsinn mitzumachen, schließlich sind sie dadurch billiger und auch Geringverdiener kommen in den Genuss von Nordseekrabben. Dass im Grunde nur die Gewinne der Psychopathen steigen (Nordseekrabben sind trotzdem extrem teuer) und die meisten Menschen nicht nur in D überhaupt keine Nordseekrabben essen, ohne dass ihnen etwas fehlt, spielt dabei keine Rolle. Würden sie in den Nordseehäfen gepult, wären sie sicher teurer und nur wenige Menschen könnten sie sich leisten, so wie Belugakaviar, Trüffel oder Kopi Luwak (Kaffe aus halbverdauten Kaffebohnen, die in den Exkrementen von Fleckenmusangs gefunden werden). Andererseits würden dafür die Krabbenbestände geschont und so macher Arbeitslose wäre wieder beschäftigt. Das ist Vernunft, ein Ideal, aber keine Ideologie. Als ehemaliger Außenhandelskaufmann konnte ich gut verfolgen, wie der Welthandel immer mehr entartete. Wenn ein Artikel aus China für 49 Cent frei europäischer Hafen angeboten wird und etwas später in einer deutschen Großhandelskette für 5,99 € als Schnäppchen feilgeboten wird, dann möchte man schier verzweifeln, zumal diesen Artikel niemand wirklich braucht. Für mich war es der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, deswegen ehemaliger Außenhandelskaufmann.

        Wir müssen unsere Kinder dazu anhalten, Nein zu sagen, wenn sie Krabben nach Marokko fahren sollen. Entscheidungsträger müssen gezwungen sein, vernünftig zu handeln, weil sie sonst niemanden finden, der ihre Entscheidung umsetzt. Neinsagen und Neintun.

        Siehst Du oder sonst jemand einen Denkfehler?

        Herzliche Grüße

      8. Lieber Till,

        da sieht man mal wieder, wie kreuzgefährlich es ist, wenn man schriftlich kommuniziert. Hätten wir uns am Telefon unterhalten oder gar von Angesicht zu Angesicht, wäre dieses Missverständnis vermutlich gar nicht erst entstanden, zumindest aber in Sekundenschnelle aufgeklärt worden. Ich finde es spannend, dass wir trotz solcher Missverständnisse voran kommen…

        Ich glaube, wir verwenden auch den Begriff des Psychopathen unterschiedlich. Ich verwende diesen Begriff sicher auch schon recht großzügig. Wenn ich ihn in einem Kontext das erste Mal verwende, verweise ich auf den Fachbegriff der »Dunklen Triade«. Dieser subsumiert Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus. Wenn ich von Psychopathen spreche, unterstelle ich nicht, dass diese nach eingehender Diagnose seitens eines Psychiater als manisch im Sinne der »Dunkle Triade« beurteilt würden. Ich meine damit eher »mit psychopathentypischen Wesenszügen« (so wie ein »Schnitzel Wiener Art« nicht zwingend auch ein »Wiener Schnitzel« sein muss).

        Trotz dieser weiteren Fassung des Begriffs würde ich aber nicht jeden, der die kapitalistische bzw. neoliberale Ideologie verinnerlicht hat und ohne schlechtes Gewissen entsprechend handelt (wie zum Beispiel Krabbenpulen in Marokko) als Psychopathen bezeichnen. Ich spreche erst beim Übergang zum Dogmatismus von Psychopathie.

        Psychopathen sind nicht das Problem, sie haben eins! Psychopathen haben für sich eine Problemlösungsstrategie entwickelt, die für uns allerdings nur die Rolle des Erfüllungsgehilfen vorsieht. Solange sie mit ihrer Problemlösungsstrategie erfolgreich sind, können sie das ursächliche Problem, das ununterbrochen in ihrem Innern tobt niederringen. Um uns für sich einzuspannen, suchen sie sich eine Ideologie ihrer Wahl. Irgendetwas, das im Trend liegt und viel Nervenkitzel und Macht verspricht. Dann wühlen sie sich in diese Ideologie und die darauf basierende Hierarchie ein (das kann auch so etwas wie die innere Sicherheit und der Tiefenstaat oder das Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz und die Wissenschaftsgemeinde sein – da gibt es für jede Begabung und jeden Geschmack etwas geeignetes). Auf dem Weg an die Spitze der Pyramide vervollkommnen sie ihre Problemlösungsstrategie immer mehr. Sie werden immer besser darin, uns für ihre Zwecke einzuspannen. Der wirksamste Trick dabei ist die Erzeugung des Gefühls von Dringlichkeit. Eine Dringlichkeit, die nach beherztem Handeln und einem Führer schreit. Einem Führer, der bereit ist, im Sinne des großen Ganzen auch massive Verluste in Kauf zu nehmen, einem, der die Regeln bricht oder passend macht, einem, der meisterhaft »Menschenschach« spielt. Zur Problemlösungsstrategie von Psychopathen gehört auch, dass sie sorgsam darauf achten, dass der Handlungsdruck immer weiter zunimmt, damit wir immer tiefer in ihre Fänge geraten und sich ihre Führerposition immer weiter verfestigt.

        Viele Grüße

        Ruben

      9. Lieber Ruben,

        sicher kann man in privater Kommunikation Missverständnisse schnell aufklären, die Öffentlichkeit hätte aber nichts davon. 😉

        Du betreibst einen ziemlich großen Aufwand bezüglich der Verwendung des Begriffs Psychopathen und die Gründe für ihr Verhalten. Ist nicht jeder ein Psychopath, der gewissenlos handelt und ist es im Grunde nicht egal, warum er es tut? Fakt ist, dass sie am Drücker sitzen und wir einen Weg finden müssen, ihren Drücker wirkungslos zu machen. Mein Vorschlag ist vernunftbasiertes Handeln, mit dem jeder für sich anfangen kann, beginnend mit der Frage nach Ursache und Wirkung. Was meinst Du?

        Herzliche Grüße

      10. Lieber Till,

        der Aufwand ist in der Tat hoch. Ich meine aber, die Abgrenzung von Psychopathen zu Menschen, die sich noch unterhalb der Schwelle zum Dogmatismus befinden ist wichtig. Menschen, die an die Ideologie glauben und sich durch die Moral noch Schranken anlegen lassen sind die Profiteure des Systems. Sie sind eher systemkonservative Mitläufer als Treiber. Der Übergang zum Dogmatismus ist aber sicher fließend.

        Ich finde, Dein Beispiel mit dem Krabbenpulen macht deutlich, wie schwer vernunftbasiertes Handeln in der Praxis ist. Ich würde Dein Beispiel gerne auf unsere Ernährung insgesamt und auf uns als Endverbraucher von Lebensmitteln erweitern. Wir leben in einer arbeitsteiligen Welt mit Lieferketten, die von der Erzeugung über die Verarbeitung, den Transport und die Vermarktung bis zum Konsum von Lebensmitteln reichen. Wenn ich als Endverbraucher beim nächsten (in fußläufiger Entfernung befindlichen) Discounter einkaufe, handle ich im kompletten Blindflug. Ich kann dort die grün angehauchten Produkte auswählen und tue das auch. Was da unter einem der hippen Biolables segelt, ist aber im Grunde auch nur ein marginal besseres Bioplacebo und auf keinen Fall gut. Ich kann darauf achten, möglichst regionale Lebensmittel zu kaufen oder wenig bis kein Fleisch. Dein Beispiel mit dem Krabbenpulen macht aber deutlich, was ich als Endverbraucher alles nicht weiß und praktisch auch nie wissen werde. Ich könnte natürlich mit dem Auto in den nächsten Biomarkt oder am besten gleich zum Biobauern draußen vor den Toren der Stadt fahren. Toll – da erkaufe ich mir dann ein peudogutes Gewissen durch Autofahren und einen irren Zeitaufwand. Diese Zeit würde mir fehlen, meinem Beruf nachzugehen, mich meinem privaten Umfeld und auch mir selbst zu widmen, mir meine Meinung zu bilden oder mit Dir zu kommunizieren. In einem solchen Kontext vernunftbasiert zu handeln, finde ich gelinde gesagt schwierig. Abgesehen davon, dass ich mich, egal was ich als Verbraucher konkret tue, innerhalb des Systems bewege und es alleine schon dadurch stärke.

        Viele Grüße

        Ruben

      11. Noch ein Zusatz zu den Psychopathen:
        Ich denke, wir dürfen unterscheiden zwischen dem Psychopathen, der das von seinem Charakterbild her vollständig lebt und auch nur das leben kann einerseits und dem psychopathischen Denken, zu dem wir alle fähig sind andererseits. Psychopathisches Denken ist weit verbreitet, weil es gesellschaftlich akzeptiert ist. Und auch hier gilt, dass die Welt nicht aus Schwarz und Weiß besteht sondern aus unzähligen Nuancen dazwischen. Wobei psychopathisches Denken wiederum nicht zu verwechseln ist mit Egotismus.

        Herzliche Grüße, Ped

      12. Wer Ideologie, die ja aus einer Idee entstand, woraus wiederum alle Neuerungen erwachsen, als Ultima maxima ansieht, wird Jeden, der nicht strikt dem Ideal folgt, als Widersacher ansehen. Insofern sollte man das Wesen einer jeden Ideologie ansehen, anstatt Menschen in Psychopathen und Nichtpsychopathen zu unterteilen. Ist doch jeder ein bisschen bluna…

      13. Drei für mich sehr erhellende Kommentare. 🙂 Gerade der Hinweis auf den Unterschied zwischen Psychopathen und psychopathischem Denken hat einiges bewegt und Maris Kommentar zeigt, dass sich auch bei mir ein Ideal schleichend in eine Ideologie verwandelt. Nun muss ich erstmal in mich gehen.

        Herzliche Grüße

  2. Herr Frey,

    Ich habe auch das Buch gelesen. Der Autor ist ein Absolvent von Oxford Universität. Ist glaube ich ein Jude (spielt für mich keine Rolle, was er ist). Was erwarten Sie von so einem Autor? Er kann doch nur ein Globalist sein. Er meinte, dass wir Menschen wieder eins sein sollten. Das würde bedeuten, dass alle Staaten sich auflösen müssten. Dann habe ich in Erinnerung, wo er meinte. Dass eine Vergewaltigung für eine Frau nichts Schlimmes sei. Sorry, spätestens hier dachte ich. Der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

    Außerdem hatte ich den Eindruck gehabt, dass er ein Befürworter der Technologie ist, wo Menschen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Er betrachtet die Zukunft zu technologisch. Ihm wäre anscheinend lieber, wenn wir nur noch von Roboter dominiert werden.

    Aber sein Buch war insgesamt gut. Kann man nicht meckern.

    Viele Grüße

    1. Lieber Patriot,

      es steht mir wahrlich nicht an, über Ihre Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen über die in dem Artikel referenzierte Trilogie von Yuval Noah Harari zu urteilen. Wenn das, was Sie hier schreiben, das ist, was bei Ihnen hängen geblieben ist, dann ist das eben so. Ich kann nur für mich sprechen, kann Ihnen nur spiegeln, welche Gedanken und Gefühle Ihr Kommentar bei mir ausgelöst hat.

      Zunächst einmal fühle ich mich von Ihnen nicht wertschätzend behandelt und nicht ernst genommen. Das fängt schon damit an, dass Sie nicht mich, sondern den Betreiber dieses Blogs ansprechen. Das betrifft aber auch Ihren eigentlichen Kommentar, der mich nicht erkennen lässt, dass Sie sich mit meinen Artikel näher befasst haben. Sie greifen einen Punkt aus der Einleitung heraus und machen recht pauschale Aussagen darüber, wie das Buch von Yuval Noah Harari – es sind eigentlich drei Bücher – auf Sie gewirkt hat. Ich will hier nicht mit Ihnen darüber diskutieren oder gar in eine Textanalyse einsteigen, muss aber sagen, dass die Trilogie bei mir ganz andere Eindrücke erzeugt hat und ich dabei auch ein ganz anderes Bild von dem Menschen Yuval Noah Harari entwickelt habe.

      Was mich ärgert, ist, dass Sie mit Ihrem Kommentar die Aufmerksamkeit der Leser vom eigentlichen Diskussionsgegenstand weggelenkt haben. Sie bauen in Ihrem Kommentar eine Kette von Assoziationen auf: »Harari – Oxford – Globalist – Entstaatlichung – Verharmlosung von Vergewaltigungen«. Diese schlimme Assoziation verklammern Sie mit meinem Artikel, und zwar ohne dabei auch nur mit einer Silbe auf den Artikel selbst einzugehen. Diese künstlich hergestellte Verklammerung erzeugt bei einem unbeteiligten Dritten unweigerlich einen neuen Deutungsrahmen. Ein Leser, der mich nicht kennt und der Ihren Kommentar vor meinem Artikel liest, wird nun beim Lesen meines Artikels permanent nach Indizien suchen, die die von Ihnen geweckten Assoziationen bestätigen oder widerlegen. Wer will schon auf einen Autor hereinfallen, der mit einem Verharmloser von Vergewaltigungen sympathisiert! Dadurch wird der Leser daran gehindert, sich dem eigentlichen Inhalt des Artikels zu öffnen.

      Wie gesagt, ich kann nur für mich sprechen. Ich stelle keine Mutmaßungen über Ihre Gemütslage und Intension an. Ich antworte auf Ihren Kommentar, um Ihnen und den anderen Lesern dieses Forums die Folgen Ihres Handelns offenzulegen.

      Viele Grüße

      Ruben

      1. Grüß Gott Ruben,

        in diesem Artikel ist mir der Autor Yuval Noal hängengeblieben. Der Rest des Textes war wieder aus meiner Perspektive viel zu viel drumherum.

        Verstehen Sie mich nicht falsch.
        Ich mag keine lange Romane, wo diese zu 99% drumherum reden. Ich mag kurze und klare Gedanken. Die deutlich auf den Punkt kommen. In diesem Blog habe ich den Eindruck, dass wenn derjenige lange Texte schreibt sich wie ein Einstein vorkommt. Man will den Leser mit langen Texten beeindrucken. Sie auch. Kommen Sie doch gleich auf den Punkt.

        Ich nehme Sie Ernst. Nur, wenn ich einen langen Text lese, wo eigentlich zwei Sätze ausreichen würden, dann hat das nichts mit Intellegenz zu tun.

        Ich habe Sie doch nicht kritisiert. Ich habe mal das Buch von Yuval Noah mit einem 68er besprochen. Der 68er Freund hat komplett identische Gedanken wie der Yuval Noah. Beide sind für NWO.

        Welche Eindrücke hat der Autor Yuval Noah bei Ihnen hinterlassen? Wenn Sie richtig gelesen haben, dann habe ich zum Schluss gesagt, dass das Buch insgesamt gut war. Ich habe es nicht schlecht geredet.

        Viele Grüße

  3. Liebe Autoren / Blogbetreiber!
    Kopfschüttelnd nur drei dumme Fragen zu den zahlreichen Zeilen in Sachen „Dogmatismus – Herrschaftsanspruch einer Ideologie“:
    Ist der Mathelehrer (in der Schule) ein Dogmatiker, weil er im Matheunterricht boshaft auf Einhaltung der mathematischen Regeln und Gesetzmäßigkeiten besteht, abweichende Ergebnisse als falsch deklariert und entsprechend benotet?
    Ist der Physiklehrer (in der Schule) ein Dogmatiker, weil er im Physikunterricht boshaft auf Einhaltung der naturwissenschaftlichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten besteht und – dem Mathe-Lehrer gleich, abweichende Ergebnisse als falsch deklariert entsprechend benotet?
    Warum – bitte – läuft jeder Gefahr, in die Dogmatiker-Ecke gestellt und als solcher diffamiert zu werden, wenn er gleiche Konsequenz bei der Anwendung gesellschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten einfordert? Übrigens – wer sind eigentlich jene, die derart mit der Zuordnung von Begrifflichkeiten umgehen?
    In den Naturwissenschaften ist es üblich, für die Gültigkeit der Betrachtungen eines Sachverhaltes die der Betrachtung zugrunde liegenden und notwendigen Bedingungen zu benennen / zu definieren, z.B. ist eine mathematische / physikalische Funktion nur beschrieben gültig innerhalb eines benannten Wertevorrates und eines definierten Geltungsbereiches.
    Abgesehen von wenigen löblichen Ausnahmen (dazu zähle ich ausdrücklich Peter Frey) scheint sich diese wissenschaftliche Vorgehensweise beim lustigen Palavern über gesellschaftspolitische Phänomene noch nicht herumgesprochen zu haben oder die Schreiber / Autoren „drücken“ sich ganz vorsätzlich um eine solche wissenschaftlich anerkannte Vor- bzw. Herangehensweise.. Der hier kommentierte Beitrag ist ein beredtes Beispiel dafür. Wem bitte nützt so etwas? Wer zieht daraus Gewinn, in welchem Sinne auch immer?
    Uwe

    1. Warum – bitte – läuft jeder Gefahr, in die Dogmatiker-Ecke gestellt und als solcher diffamiert zu werden, wenn er gleiche Konsequenz bei der Anwendung gesellschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten einfordert?

      Was hat Ihre Frage mit dem Artikel zu tun? Und wer entscheidet, was eingefordert wird?

      Übrigens – wer sind eigentlich jene, die derart mit der Zuordnung von Begrifflichkeiten umgehen?

      Eben jene, die darüber nachdenken. Wer sind Ihrer Meinung nach die „Richtigen“ dafür?

      die Schreiber / Autoren „drücken“ sich ganz vorsätzlich um eine solche wissenschaftlich anerkannte Vor- bzw. Herangehensweise.

      Wer sind jene, die „wissenschaftlich anerkennen“? Abgesehen mal davon, dass der Artikel vom Autor eben nicht mit einem erklärt wissenschaftlichen Anspruch geschrieben wurde, halte ich den Vorwurf, dass jemand nicht wissenschaftlich arbeitet, für ein beliebtes Totschlagargument, dass auch gern als Mittel zum Erhalt der Meinungsführerschaft eingesetzt wird.

      Wem bitte nützt so etwas?

      Zum Beispiel mir. Aber das darf natürlich jeder selbst entscheiden.
      Die Ideologie des dialektischen Materialismus darf auch jeder für sich leben, da werte ich überhaupt nichts ab. Ich vertrete sie nicht (mehr). Aber glauben Sie nicht, Uwe, dass es auch dort nicht wenige Dogmatiker gab und ist es nicht sinnvoll, darüber nachzudenken, warum es sie gab?

      Freundliche Grüße, Ped

    2. Lieber Uwe Klaus,

      ich habe den Eindruck, Sie haben, wie man so sagt, etwas in den falschen Hals bekommen. Der Bereich der Naturwissenschaften liegt, wenn Sie so wollen, nicht im Geltungsbereich dieses Artikels. Dass der Artikel keine kulturwissenschaftliche Abhandlung ist, wird in der Einleitung freimütig eingeräumt. In der Einleitung wird offengelegt, dass hinter dem Artikel die Intension steht, die vielen aufgenommenen Informationen in einer zusammenhängende, in sich logischen und mit den eigenen Erfahrungen vereinbaren Gesamtgeschichte zu erzählen. Vermutlich rührt Ihr Unmut schlicht von einer Erwartungshaltung, der dieser Artikel gar nicht gerecht werden will. Es handelt sich sozusagen um eine andere Textgattung.

      Es geht in diesem Artikel darum, die Pfade von den Idealen über die Ideologien bis hin zum Dogmatismus nachzuzeichnen und dabei nachzuvollziehen, wie aus Ethik Moral und aus Moral Doppelmoral wird. Es geht darum, aufzuzeigen, wie schnell man in bester Absicht in Ideologien abgleiten kann und wie schmal der Grat zum Dogmatismus ist. Es geht darum, aufzuzeigen, dass es ideologiefreie Ansätze gibt, ein gutes Leben zu führen.

      Viele Grüße

      Ruben

    3. Lieber Uwe Klaus,
      Logik entspricht keinesfalls kategorisch der Wirklichkeit. Kann man in der Arithmetik 2 – 4 = – 2 logisch abbilden, ja sogar denken, ist es mit der Wirklichkeit doch ganz anders. Liegen auf einem Teller 2 Äpfel kann man definitiv keine 4 wegnehmen! Und was sich heute Wissenschaft schimpft ist, zumindest was die letzten 50 Jahre betrifft eben meist KEINE Wissenschaft. Denn wie oft werden die unangenehmen Gesichtspunkte, welche das gewünschte Ergebnis „verfälschen“ würden, einfach nicht in die Untersuchung mit einbezogen. Die Mathematik macht da eine Ausnahme. Sie lässt keine Auslassungen zu. Die alten physikalischen Erkenntnisse sind für sich alleine richtig aber wenn Mensch nicht mehr in der Lage ist einen Überblick über seine „wissenschaftliche“ Arbeit zu behalten ist sie eben NICHT wissenschaftlich sondern ideologisch. Dass jedes Widerlegen dann dogmatisch nieder geredet wird, macht das falsche Ergebnis dann auch nicht besser. Da helfen auch keine rhetorischen Griffe in die Grundlagenphysik, oder -chemie… Wenn Grundlagen nicht richtig angewendet werden ist das Ergebnis falsch und das ist dann wirklich logisch 😉

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