<p style="text-align: center;"><strong><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;">Veränderung ja, aber nur durch Revolutionen?</span></strong></p>

Mir scheint, dass jene die Revolutionen propagieren, Angst vor dem eigenen Handeln haben. So, wie wenn man allein in einem Wald steht und laut ruft, um die Angst zu kompensieren, rufen sie nach dem Umsturz. Sie rufen nach dem Unbestimmten und auch noch Gewaltsamen, über das man so wunderbar diskutieren kann. Was ist denn mit gelebter, friedlicher gesellschaftlicher Evolution? Die ist konkret.


Sind Revolutionäre daher ständig so verbittert, weil sie fortwährend an sich selbst scheitern – was sie in der Regel nicht zugeben? Die schwerwiegenden Argumente gegen das Konkrete kann ich nicht als rational begreifen. Sie lauten in etwa so:

  • Nein, das hat doch alles keinen Sinn.
  • Was willst Du schon allein bewegen.
  • Wir brauchen bessere Führer, die uns – nun ja – eben anführen.
  • Wir müssen die amtierenden Politiker entmachten und bessere Politiker an die Macht bringen.
  • Wir benötigen einen viel größeren Ansatz, kein Klein, Klein.
  • und so weiter

Das alles sind sehr ernsthafte Argumente von Freunden und Bekannten, Menschen die teilweise politisch aktiv sind und zweifellos Handlungsbedarf in unserer Gesellschaft sehen. Außer bei sich selbst.

Dann stelle ich konkrete Fragen: 

  • Was ist mit uns selbst?
  • Wie füttern wir im Kleinen das Große?
  • Wie offen sind wir selbst für Veränderungen?
  • Wie gehen wir im Sinne von Veränderungen miteinander um?
  • Wie und von was ernähren wir uns?
  • Auf wessen Kosten tun wir das?
  • Was ist mit unserer Mobilität, auf wessen Kosten geht die?
  • Was konsumieren wir und in welcher Menge tun wir das?
  • Was von dem Konsum benötigen wir tatsächlich?

Weil ich meine, dass all dies fundamentale Dinge unseres Lebens sind.

Komme ich mit solchen Fragen, habe ich oft den Eindruck, der Gegenüber ist bestrebt, mir jeden Mut zu nehmen. Nicht nur, dass er sich daraus fast von selbst ergebende Vorschläge als wirksame Hebel von Veränderung für sich selbst ablehnt, er ist auch noch darauf aus, mir selbst den Mut zur Veränderung zu nehmen.

So sprach ich mit einem wirklich sehr guten Freund über den Konsum von Schokolade, die letztlich ohne wenn und aber maßgeblich mittels Ausbeutung von afrikanischen Kindern in den deutschen Supermärkten landet. Eine Diskussion über eigenes, kreatives Handeln war schlicht nicht möglich. Gesetze müssten her, die Politiker müssten ihre Arbeit machen. Als ich argumentierte, dass all dies gar nicht notwendig wäre, wenn in den Menschen eine Bereitschaft für eigenes selbst verantwortetes Handeln wachsen würde – und die das am besten gleich selbst vorlebten – wurde das als weltfremd, als Fantasterei abgebügelt.

Woher kommt das?

Was mich vor allem beunruhigt ist, dass das Thema der Veränderung bei sich selbst – als Teil einer Veränderung der Gesellschaft – so rundweg, ja rabiat abgeschmettert wird.

Warum diese starken, ablehnenden Emotionen? Denn das sind sie und – wie gesagt – keinesfalls rationale Argumente. Mir kommt es vor, dass sich diese Menschen von meinen Angeboten angegriffen, ja beschuldigt fühlen. Doch bleiben es Angebote – nicht mehr und nicht weniger.

Ernährung, Mobilität, Konsumverhalten, Freizeitverhalten, ja überhaupt der Umgang miteinander: All das sind ganz konkrete Ursachen für die weltweite, schrankenlose Ausbeutung von Natur und Menschen. So hässlich das auch klingen mag, beuten wir ständig Menschen aus, die wir nicht sehen und schieben eine Veränderung in dieser Sache auf die lange Bank.

Aber Politiker sind schlechte Menschen und wir sind gut. Irgendwie passt das nicht.

Wird es dann zumindest anerkannt, dass es Verantwortliche über Politiker hinaus gibt, dann bleibt man bei der Betrachtung einer gesichtslosen Masse. Die Masse, die so einkauft, die Masse, die so ihren Urlaub gestaltet, die Masse, die sich so ernährt. Und immer schließt es mit: Die Masse muss sich ändern, du allein bist chancenlos.

Chancenlos gegenüber wem? Wo liegt denn überhaupt mein Anspruch?

Mache ich die Dinge, um irgendwelchen anderen Leuten genüge zu tun? Oder nutze ich die Freiheit meines Denkens, um freie Entscheidungen zu treffen? Nehme ich Veränderung als lästige Pflicht, als Aufopferung, als Last wahr oder als Bedürfnis, weil vor allem mir und meiner Seele gut tuend?

Die Menschen sind schon im Kleinen ohne Mut. Doch Mutlosigkeit zementiert Macht.

Dieser Blick auf die Masse (im Sinne einer Klasse) ist einer, in dem sich der Ängstliche verstecken, sich sicher fühlen kann. Die Individuen, die sich als Teil einer Masse sehen, sehen es nicht als notwendig an, konkrete Verantwortung wahrzunehmen. Der Revolutionär nimmt also die gesichtslose Masse, fordert kompetente Führer, denen die Masse dann folgen kann und stellt sich selbst wohin? In die Masse oder in die Führerschaft? Die Führerschaft sind die Eliten, die Besseren, die Gestalter – oder doch die Massen, die aber geführt werden wollen?

Es hängt von unserem Selbstverständnis ab.

Man könnte aber auch einfach mal machen – handeln und darüber reden.

Ich selbst möchte im Jetzt verändern – und das kann ich. Das lasse ich mir nicht ausreden. Erstens weil es mich mutlos und zweitens unglücklich machen würde.

Die Mutlosen können inzwischen die nächste Revolution planen. Das hat die Matrix schon seit vielen Jahrhunderten im Portfolio.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(Titelbild) Bild: Emoticons; Datum: 12/2017; Autor: freeGraphic Today (Pixabay); Quelle: https://pixabay.com/de/smiley-emoticon-zorn-w%C3%BCtend-angst-2979107/; Lizenz: CC0 Creative Commons

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11 Kommentare

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  1. In der Theorie haben Sie Recht.

    In der Praxis zeigt sich aber, dass Menschen im Westen von der gesamten Umgebung manipuliert werden. Ich bin auch ein großer Fan davon, sich selbst zu ermächtigen. Aber kann ich mich soweit in die Menschen hineinversetzen, um zu sehen, dass viele nicht die Kraft haben.

    Ich sehe es an meinem Eltern, diese sind aus einem anderen Land hierhergezogen. Es fehlte an allen Ecken und Enden und man musste drei Kinder versorgen. Hinzukommen diverse Dinge, die wir nicht auf dem Zettel haben, wie sprachliche Schwierigkeit, die du nicht aufholen kannst (Ämter, Fachartikel etc. pp wirst du kaum verstehen können, wenn du spät eine Sprache lernst). Den Struggle den viele Menschen haben, mit sich und ihrer Umwelt, gepaart mit Manipulation für die Milliarden ausgegeben werden. Wie kann ich ernsthaft Vorwürfe erheben?

    Mein buddhistischer Lehrer sagte zu mir: Du kannst nur gut praktizieren, wenn es dir gut geht.

    1. Da ist etwas dran, an dem was Sie schreiben, Arthur.
      Ich möchte meine Ansage im Artikel auch durchaus nicht pauschal auf alle Menschen gerichtet wissen, sondern spreche die Ideologen im Geiste, die Revolutionäre, die Visionäre am großen Rad an.
      Jeder Mensch möge das tun, wozu er die Kraft hat und vielleicht die Möglichkeit und Chance geboten bekommen, über die er seine individuell mögliche Autonomie erspüren und zu nutzen vermag. Auf dieser Ebene dürfen wir uns gegenseitig helfen und stärken und so die Trigger vermeiden, die uns fortwährend in unbewusst, geistige Abhängigkeit drängen.

      Herzliche Grüße, Ped

  2. Komme ich mit solchen Fragen, habe ich oft den Eindruck, der Gegenüber ist bestrebt, mir jeden Mut zu nehmen. Nicht nur, dass er sich daraus fast von selbst ergebende Vorschläge als wirksame Hebel von Veränderung für sich selbst ablehnt, er ist auch noch darauf aus, mir selbst den Mut zur Veränderung zu nehmen.

    Jeder von uns findet sich mal in dieser, mal in jener Rolle wieder. Mal fragt man, mal fühlt man sich durch Fragen in die Enge getrieben… Viele Menschen haben den grundsätzlichen Handlungsbedarf längst erkannt, handeln aber selbst nicht konsequent danach… Keiner ist perfekt, wir sind alle nur Menschen. Wir sehen uns mit viele widersprüchlichen Ansprüchen konfrontiert, haben eine Tendenz zum Beibehalten des alten Trotts, fühlen uns unsicher, was neues Verhalten angeht usw.

    Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass ein verändertes Handeln einer veränderten Haltung vorauseilt, was im ersten Moment kontraintuitiv wirken mag. Dazu hatte ich hier im Forum kürzlich schon etwas geschrieben. Dort hatte ich mich mit dem Phänomen der kognitiven Dissonanz beschäftigt. Jeder von uns ist bestrebt, seine Haltung und sein Handeln in Übereinstimmung zu bringen. Da unser Handeln in der Vergangenheit liegt, sich also nicht mehr ungeschehen machen lässt, bleibt uns nur das Anpassen der Haltung. Um die energiefressenden kognitive Dissonanzen in unseren Gehirnen loszuwerden, imaginieren wir Argumente, die uns vorgaukeln, dass wir gar nicht entgegen unserer Überzeugung gehandelt haben, dabei wandelt sich unsere Überzeugung unmerklich und auch ziemlich unwillkürlich.

    Wenn man sich diese Zusammenhänge vor Augen führt, wird klar, wie kontraindiziert Vorwürfe oder der Appell an die Moral sind. Mit solchen Vorwürfen erzeugt man beim Gegenüber zwar eine kognitive Dissonanz, da das Gegenüber aber seine in der Vergangenheit liegenden Handlungen nicht mehr rückgängig machen kann, findet sich das Gegenüber mit dem Rücken zur Wand gedrängt. Die kritischen Fragen werden als Abgriff verstanden und abgewehrt. Diese Erfahrungen haben wir alle schon gemacht, in beiden Rollen.

    Wenn Vorhaltungen und Appelle nicht weiterhelfen, hilft dann das Vorleben, das Beispielgeben? Nach meiner Beobachtung nur sehr bedingt. Das einzige, was wirklich aussichtsreich aber auch mühevoll ist, ist das Gegenüber dazu einzuladen, einfach mal etwas Anderes zu tun – sich einfach mal zu trauen, etwas Neues auszuprobieren. Um so enger die emotionale Bindung zum Gegenüber, um so eher wird dies gelingen. Idealerweise probiert man das neue Handeln gemeinsam aus. Dabei ist wichtig, dass wirklich anderes Handeln ausprobiert wird. Sich das andere Handeln nur vorzustellen, reicht kaum aus. Eine schöne kognitive Dissonanz entsteht nur, wenn das Gehirn von allen Sinnen geflutet wird. Wenn man hinterher ins Gespräch kommt und darüber spricht, wie sich das probeweise veränderte Handeln anfühlt, kann eine Änderung der Haltung geschehen. Wenn ich auf mein bisheriges Leben blicke, erkenne ich, dass sich meine eigene Haltung eigentlich immer nur genau so weiterentwickelt hat. In der Regel sprang meine Haltung von einem Moment auf den anderen um und das war in dem Moment immer ein sehr gutes Gefühl.

  3. Revolutionäre bedürfen einer revolutionären Partei. Wie soll denn der gewaltsame Umsturz funktionieren, wenn revisionistische Entartung neue Grundlage geworden ist. Mit bourgeoisen Forderungen lässt sich kein Kapitalismus und Imperialismus stürzen.

    Fakt ist, freiwillig und von selber, geht der nun mal nicht weg – im Gegenteil, ersetzt auf Gewalt. Dem setzen wir Kommunisten uns nun mal nicht wehrlos entgegen!

    Heinrich Schreiber

    1. Zitat Heinrich Schreiber: “Revolutionäre bedürfen einer revolutionären Partei.“

      Nein, diese bedürfen sie nicht. Genau das hat Ped doch oben ausgeführt. Aber manches ändert sich nie, weil der Einzelne sich nicht ändern mag.

      “Ich habe gar nichts gegen die Menge;
      Doch kommt sie einmal ins Gedränge,
      So ruft sie, um den Teufel zu bannen,
      Gewiß die Schelme, die Tyrannen.“
      (Goethe)

      Genau so wird sich auch dieses nicht ändern:

      “Vor der Revolution war alles Bestreben; nachher verwandelte sich alles in Forderung.“
      (Goethe)

      Zitat Heinrich Schreiber: “Dem setzen wir Kommunisten uns nun mal nicht wehrlos entgegen!“

      Wir Kommunisten, wir Nationalisten, wir Grünen wir Demokraten, wir Christen, überhaupt alle Gespaltenen im ewigen Kampf gegeneinander, während sich die “Elite“ nicht halten kann vor Lachen und lustig weiter plündert auf Teufel komm raus. Zu erkennen, dass wir keine Kommunisten, Grünen oder Christen u. s. w. sind, sondern einfach nur Menschen, ist schon mal der erste Schritt.

    2. Lässt sich Gewalt nicht unterlaufen ?

      Wir leben mit Sicherheit nicht in Verhältnissen, in denen es keinerlei Spielräume für die Entwicklung von Alternativen gäbe ! Reif doch ist Andersartiges als das Existente erst, wenn es zuvor in den Bereich der Vorstellbarkeit geschoben wurde…

      Wer einen gewaltsamen Umsturz will, sollte sagen können, welche Regelungs-Gefüge, Arbeits- und Lebensformen er an die Stelle der alten setzen möchte.

      Ich sehe nicht, wo ´Kommunisten´ derzeit etwas in dieser Richtung anböten… !?

      Und: ich sehe nicht, dass so etwas wie ´Wehrhaftigkeit´ anderes erzeugte als in der Regel sogar gesteigertes Leid …

      „Wie soll denn der gewaltsame Umsturz funktionieren“ – ES SOLL IHN MÖGLICHST NICHT GEBEN … – das jedenfalls mein Wunsch …!

  4. Gelbe Westen machen auch gerade eine Revolution. Aber wenn etwas auf Krieg basiert, dann ist es keine Revolution, sondern eine ewige Wiederholung von Gewalt. Viele bejubeln die Gelbe Westen, aber ich halte nichts davon.

    Ist schwierig ob Gewalt per se falsch ist. Wie sollen die Syrierer auf diese von außen geplanten Gewalt reagieren? Zuschauen und dabei Yoga machen? Nö.. geht nicht.

    Aber bei Gelbe Westen ist es ja was anderes. Die führen eigentlich wegen dem Armut den Krieg gegen den Staat. So wie ich es sehe, kam die Gewalt von Gelbe Westen. Soll das eine Revolution sein? Dann ist es nicht Meine. Die Revolution wäre ganz einfach. Kein Auto fahren und nicht so viel konsumieren. Streiken usw..

    Grüße

    1. Ich plädiere für folgende Unterscheidungen:

      a) ein ´Umsturz der Machtverhältnisse`, der ohne militärische Selbst-Ermächtigung – also revolutionären Gewalteinsatz – bis dahin weitgehend Unberücksichtigter nicht denkbar ist – es sei denn die bisherigen Machthaber geben auf: wie 1989/90 in der DDR.

      b) ein Aufbegehren bisher Unberücksichtigter wie derzeit bei den Gelbwesten: sofern solches aus z.T. erheblichen Unterdrückungs-Erfahrungen erwächst, werden dabei immer auch begrenzte Gewalt-Explosionen mit im Spiel sein, auch wenn die übergroße Mehrheit der Aufbegehrenden eine friedlich bleibende Auseinandersetzung betrieben sehen möchte.
      Hier hängt viel vom Verhalten der kritisierten Staatsgewalt ab – in Frankreich derzeit leider reichlich respektlos…
      (Mich beeindruckt die Entschiedenheit der Gelbwesten in F, keine Ruhe zu geben, bevor die Schalthebel-Inhaber sich nicht bewegen und neue Gedeihlichkeits-Strukturen auszuhandeln bereit sind…)

      c) ein Aufbegehren, das über Einzelforderungen hinaus irgendwann regelrechte Verfassungsänderungen will – eine so oder so neue Republik. // Dahin scheinen sich die Auseinandersetzungen im gegenwärtigen Frankreich ein Stück weit zu entwickeln… – dergleichen kann sogar im wesentlichen friedlich geschehen, wenn die bisherigen Verfassungsorgane solche Verfassungs-Änderungsbeschlüsse zu fassen bereit werden …

      und
      d) einen langfristig verlaufenden gesellschaftlich vielschichtigen Umwälzungsprozess, der alle Produktions- und Lebensweisen Stück für Stück grundlegend verändert – wie jenen der Industriellen ´Revolution´ mit ihren in unterschiedlichem Grade umwälzenden Phasen.
      Solche Umwälzungsprozesse geschehen unter vielen Schmerzen (neue Formen von Fremdbestimmung, Einkommensverluste, Entwurzelungen, Ausbeutung…) und zeitigen jeweils sich mehr oder minder gewaltsam ausmittelnde politische Systeme mit mehr der minder großer Eignung für eine relativ reibungslose Organisation der jeweils benötigten Systeme.
      Sie hängen nur begrenzt von ausgesprochenen Umwälzungsakten ab, schon gar nicht von solchen auf politischer Ebene …
      Ihr Charakter bildet sich am Charakter all derjenigen heraus, die tagtäglich und ganz im Kleinen ihr Verhalten und damit die herrschenden Bedingungsgefüge verändern… !

      Es gibt kein System jenseits einer Erzwingungsgewalt, die systematisiertes Zusammenwirken ermöglicht.
      Wo dieses systematisierte Zusammenwirken seine gewisse Gedeihlichkeit verliert, wird daraus strukturelle Unterdrückungsgewalt. Solche zerstört und wird dann irgendwann auch zerstörerisch beantwortet.

      Wer keine strukturell zu sehr aufgewachsenen wie auseinandersetzungs-bedingten Gewalt-Exzesse will – also ´Krieg´, wie Sie es nennen, (Bürgerkrieg, gewaltsamen Umsturz), sollte auf Seiten bisheriger Machtapparate auf die Suche nach Unangemessenheiten in den bis dahin von diesen verfolgten Rezepten gehen.
      Wo das versäumt wird, kann es nahezu selbstläuferisch hart werden …

      Auf Seiten der Aufbegehrenden, gar der Umorganisations-Vordenker geht es nicht ohne Alternativ-Entwürfe darüber, wie gemeinwesens-gestützte Existenzsicherung gedeihlicher aussehen könnte. Es geht da um Vorstellbarkeiten rechtzeitige ´Aussaat´ von auf neue Weise Tragfähigem…

      Wo das fehlt, lässt sich subkutan einiges bewegen – in Ihren Worten: „Die Revolution wäre ganz einfach. Kein Auto fahren und nicht so viel konsumieren. Streiken usw..“ – also Fall d) …
      Aber niemand sollte übersehen: auch die durch dergleichen individuelle Verhaltens-Änderungen bewirkten Veränderungen führen zu erheblich weitergreifenderen Schmerzen, als jenen des Verzichts:
      Individuelle Verhaltensänderungen sind Sand im unser Leben bis dahin sichernden Wirtschaftsgetriebe – also solange richtige Bedrängnis letztlich für alle, solange nicht täglich mehr von uns über alternative Bürgerwerke nachdenken und entsprechende Unternehmens-Kooperativen auf den Weg bringen und weiterentwickeln … !

      Wem es folglich um Bedrängnis-Erleichterung – hierzulande wie überall – geht, der darf´s in meinen Augen nicht beim ´Einfach-Nicht-Mehr´ belassen (auch wenn das bereits unverzichtbar viel ist !!) … ! ?

    2. Sie wissen schon,dass die meisten Franzosen auf ein Auto angewiesen sind,um zur Arbeit zu kommen. Wenn ich von Essen nach Düsseldorf fahren muss kann es zwar beschwerlich werden, aber es ist möglich. In vielen Gegenden Frankreichs ist es garnicht möglich ohne Auto eine Arbeit zu finden. Bitte informieren.

  5. Wenn Revolutionäre im klassisch-umstürzlerischen Sinn zaghaft bis mutlos sind und bleiben, kann ich das nur begrüßen: es ist bereits übergenug Gewalt in der Welt !

    Not-wendige langfristige Umwälzungen hingegen sogar möglichst kräftig wachsen zu lassen durch verändertes individuelles Alltags-Tun, fällt selbstredend unterschiedlich schwer. Ich denke, da geht es um den oft mühsamen Abschied von lieb gewordenen Gewohnheiten, begrenzte Kräfte also. Und es geht um unsere Neigung, Dräuendem durch Beharrung möglichst lange ausweichen zu wollen, obgleich wir wissen, wie wenig erfolgreich das sein wird.

    Ich denke jedoch auch, die erforderlichen Abschiede von Genüssen, die sich grausamen Vorteilsnahmen verdanken, und deren Umorientierung (!) fallen dann leichter, wenn Alternativen vorstellbarer werden dadurch, dass Menschen sich mehr und mehr zusätzlich zu ihren persönlichen Verhaltens-Entscheidungen als Konsumenten, Produzenten und Wähler /-innen aufmachen, bürgerschaftlich-selbstorganisatorisch den Aufbau von Unternehmens-Kooperativen zu betreiben, um Bürgerwerke im Slow-Down-Modus zu entwickeln und vorzuführen… !

    Diesbezüglich passiert ja auch bereits manches im Agrarischen, im Industriellen aber noch viel zu wenig!

    Bei Interesse gibt´s dazu unter https://diskursblickwechsel.wordpress.com u.a. eine etwas größer angelegte Modell-Idee…

    und unter die in ersten Ansätzen deren etwas ausführlichere Ausleuchtung:
    http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de/LBK/mat/strukturwandels-vorschlaege/UMSTIEGS-IMPULS%20STRUKTURWANDEL%20LAUSITZ.html

    1. Wesentliche Teile der französischen Gelbwesten sind erkennbar längst darüber hinaus ihre regierenden Dämel um „Bürgerbeteiligung“ anzubetteln.
      Ihre persönliche Hoffnung das die allseits regierende Gewalttätigkeit sich durch Anbettelei zum Pazifismus bekehren möge, ist selbst bei minimalen Geschichtskenntnissen ein wenig blauäugig?

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