Frieden durch Streitkultur

Eine Vermittlungsplattform für die Begegnung mit Andersdenkenden.


Wir wünschen uns Frieden – aber wie friedfertig sind wir selbst eigentlich? Bei der Lektüre von Facebook-Kommentaren zu heiklen Themen wird schnell klar: von Friedfertigkeit keine Spur! Da liefern sich Menschen verbale Schlachten. Sie wollen einfach nur Recht haben statt Frieden. Zeit, dass sich jeder an die eigene Nase fasst und sich im bewussten Umgang mit anderen Ansichten übt – meinen Elisa Gratias und Ruben Schattevoy.


Wenn ich mich durch Facebook-Kommentare zu meinen Artikeln kämpfe, komme ich immer wieder an meine Grenzen. Ich schreibe einen Text, der einen kleinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, andere für ihr eigenes Leben inspirieren und somit zum Handeln anregen soll, und lese darunter Kommentare, die ihn „ad absurdum“ führen wollen.

Ich antworte und versuche herauszufinden, was die Kommentierenden so stört. Am Ende wird mir vorgeworfen, ich sei weltfremd und habe nicht genug Hintergrundwissen.

Das mag durchaus sein. Doch wieso fragt sich dieser Mensch nicht einmal selbst, ob er denn nicht auch in seiner Blase gefangen ist, ob er selbst denn tatsächlich genug Hintergrundwissen oder zumindest Freigeist habe, um meine Ansichten voll zu erfassen?

Es kotzt mich an! Diese überheblichen Leute, denen es nur darum zu gehen scheint, jeden Funken Lebensfreude und Hoffnung, jeden Vorschlag der anderen Art im Keim zu ersticken. Am liebsten würde ich ihre Köpfe nehmen und vor eine Wand schlagen, damit sie aufwachen!

Dann wache ich aus meinem inneren Monolog auf. Oh ha, ich bin wütend. Ich bin frustriert. Ich bin alles andere als friedlich. Wie komme ich da raus?

Ich stelle mir die Frage, was ich möchte. Verbindung lautet die erste Antwort. Ich möchte eine Verbindung zu anderen Menschen. Ich möchte, dass diese Spalterei aufhört. Wie kann ich dazu beitragen? Vielleicht indem ich zuhöre?

Zuhören! Interessant.

Ich schreibe den Kommentatoren eine Privatnachricht und möchte nachhaken; ich stelle fest, dass ich ihren Standpunkt absolut nachvollziehen kann. Jetzt wünsche ich mir, dass auch sie mir zuhören, mich verstehen, anstatt mich und meine Meinung von vornherein als unqualifiziert abzutun.

Sie sind selbst Friedensaktivisten. Setzen sich für einen Ausstieg Deutschlands aus der NATO ein und demonstrieren gegen die Airbase in Ramstein. Das ist wichtig und nachvollziehbar. Was ich nicht verstehe: Warum sind mein Ansatz vom Hinterfragen des eigenen Selbst, das Hoffnungmachen und die Beispiele für alternative Lebensweisen in ihren Augen sinnlos? Das eine schließt das andere nicht aus.

Doch ich renne vor eine Wand. Der Austausch endet damit, dass der Andere sich im Recht sieht und ich mich mundtot gemacht fühle. Sprich, ich bin noch immer frustriert und sauer … Doch, wenn ich mich da so vor meinem PC sitzen sehe, muss ich auch schmunzeln.

Will ich nicht auch Recht haben? Ja, schon! Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass ich nicht nur Recht haben möchte. Gleichzeitig fällt mir auf, dass diese Diskutiererei und der Schlagabtausch auch Spaß machen. Sie regen mich auf, Adrenalin schießt durch meinen Körper, ich habe einen Haufen Energie, meine Gehirnzellen feuern, dass die Funken sprühen – ich fühle mich lebendig.

Da erinnere ich mich an ein Telefonat mit Ruben Schattevoy. Wir hatten die Idee einer Plattform, über die Menschen Andersdenkende finden und sich absichtlich mit ihnen zum Austausch treffen.

Peaceship.de für eine bewusste Streitkultur

Die meisten Menschen sehnen sich nach Verbindung. Wir brauchen den Kontakt zu anderen wie die Luft zum Atmen. Deshalb suchen wir uns Austausch- und Beziehungspartner. Inzwischen auch online, da uns der technische Fortschritt ermöglicht, mit wenigen Klicks und unter Zuhilfenahme ausgeklügelter Algorithmen den Traumpartner zu finden.

Viele sehnen sich nach Frieden. Ebenso viele suchen nach dem großen Kick und Abenteuer, um sich lebendig zu fühlen. Begegnung, Frieden und Spannung – drei Sachen auf einmal! Die neue virtuelle Kinderüberraschung für Erwachsene:

Eine neue Online-Plattform, die uns – mit den Techniken, die auch bei den bekannten Dating-Apps zum Einsatz kommen – nach wenigen Klicks einen Gesprächspartner vorschlägt, der anders denkt als wir.

Alle 11 Minuten erweitert ein Mensch seinen Horizont über peaceship.de.

Die Online-Partnervermittlungen, die Menschen helfen, sich kennenzulernen, basieren auf dem Prinzip der Gemeinsamkeiten in den Persönlichkeitsprofilen ihrer Nutzer. So finden Menschen zusammen, die sich ineinander verlieben könnten.

Was brauchen wir für den Frieden? Liebe, Mitgefühl und die Fähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren. Vor allem dann, wenn es weh tut. Wenn es Angst macht. Wenn es unser Innerstes in Aufruhr versetzt.

So würde auf der Startseite unserer auf Unterschieden in den Nutzer-Profilen basierenden Vermittlungs-App Folgendes stehen:


Unter freier Meinungsäußerung verstehen wir nicht, dem Anderen unsere Meinung so lange zu geigen, bis der endlich einsieht, dass wir Recht haben. Die Freiheit der Meinungsäußerung ist auch in diesem Fall eher die Freiheit des Anderen, seine Meinung frei äußern zu dürfen. Wenn er sie dann hören will, dürfen wir sicher auch unsere Meinung äußern. Wenn es richtig gut läuft, entsteht dabei gegenseitiges Verständnis und eventuell entwickelt sich unsere Meinung sogar weiter. Das wäre das größte Geschenk, was uns der Andere machen kann.


Mit der Vermittlungsplattform für die Begegnung von Andersdenkenden schlagen wir etwas Neues vor – eine Aktion für die ganz Mutigen. Für diejenigen, die sich nach Abenteuer und Aufregung sehnen, und die wirklich zum Weltfrieden beitragen möchten, anstatt auf Facebook andere mundtot zu machen.

Treffen Sie sich mit einer Person, die anderer Meinung ist als Sie!

Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie können Ihre Friedfertigkeit testen, indem Sie beobachten, ob Sie anderen zuhören und sie ausreden lassen können. Und sie werden ganz sicher einen Adrenalinrausch erleben, da es uns allen in der Regel schwerfällt, andere Meinungen zuzulassen.

Wenn wir in der bewusst gesuchten Begegnung mit Andersdenkenden das Zuhören lernen, dann bekommen wir die Möglichkeit zu erkennen, dass sich hinter fast jeder Meinung Ängste und Verletzungen verbergen. Wenn wir uns hiervon berühren lassen, können wir zueinander finden. Dann lassen wir uns trotz verschiedener Meinungen nicht mehr spalten, halten als Menschen zusammen und bereichern eventuell sogar unseren Horizont oder finden ganz neue Lösungsansätze.

Es muss ja auch nicht gleich die ganz entgegengesetzte Meinung sein.

So eine App ließe sich auch so einstellen, dass man Menschen trifft, die einen neugierig machen, mit denen man sich sonst nie im Leben unterhalten hätte. Vielleicht möchte ein arbeitsloser Akademiker sich mit einem Unternehmer oder einem Beamten aus dem Arbeitsamt treffen und sie tauschen sich über ihren Alltag und ihre Sorgen aus, erklären dem anderen, wie sie sich fühlen.

Unsere Vision ist eine Plattform, die es Interessenten ermöglicht, sich zu kontroversen Gesprächen zusammenzufinden. Wir stellen uns bilaterale Gespräche mit wechselnden und einander unbekannten Gesprächspartnern vor, mit einer Dauer von ein oder zwei Stunden – oder länger, wenn der Funke überspringt – in einem Café oder bei einem Spaziergang.

Wichtig ist uns, dass sich alle Mitglieder der Plattform auf eine gute Debattenkultur einigen und verpflichten. Dieser Kodex sollte so gestaltet sein, dass Gespräche zur Erweiterung des persönlichen Horizonts – über die persönliche Filterblase hinaus – dienen und, so gut es eben geht, auch noch erquicklich sind.

Als kleinsten gemeinsamen Nenner für die Mitglieder sehen wir die Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte und der in unserem Grundgesetz verankerten Grundrechte. Das Meinungsspektrum sollte darüber hinaus aber möglichst nicht eingeengt werden.

Die Debattenkultur der Gemeinschaft basiert darauf, dass man seinem Gesprächspartner dessen Anerkennung des kleinsten gemeinsamen Nenners der Gemeinschaft nie abspricht, ebensowenig eine positive Selbstwahrnehmung aus dessen Perspektive und in dessen Wertesystem.

Das Leitmotiv lautet Kooperation statt Konkurrenz. Frieden schaffen statt Recht haben. Der Versuch, den Gesprächspartner von der eigenen Sicht der Dinge zu überzeugen, sollte deshalb möglichst unterlassen werden, was in der Regel jedem sehr schwerfällt und hier trainiert werden kann.

Vielleicht könnten auch einige Rahmenbedingungen vorgegeben oder empfohlen werden. Beispielsweise, dass sich vorab jeder Teilnehmer zwei Themen überlegt und der Gesprächspartner eins davon aussuchen darf. Oder dass man am Ende gemeinsam eine kurze Zusammenfassung schreibt und im Portal hochlädt, um andere an der Erfahrung teilhaben zu lassen und eventuell auch anderen Menschen Lust auf Begegnungen dieser Art zu machen.

Wir möchten eine Bewegung außerhalb der Parteiendemokratie begründen. Eine Bewegung, die von den Mächtigen des Systems nicht angegriffen werden kann. Eine Bewegung, die einfach aus sich heraus schon einen großen Beitrag zu einem „gelingenden Leben“ im Sinne von Frieden, Verbundenheit, Wachstum, Wirksamkeit und Selbststeuerung leistet. Eventuelle positive Auswirkungen auf unser demokratisch organisiertes Gemeinwesen wären ein schöner Nebeneffekt.

Vergleich mit dem Ansatz des Mainstreams

Die Zeit war schneller als wir und hat mit „Deutschland spricht“ bereits letztes Jahr einen ersten Schritt in diese Richtung gewagt.

In diesem Jahr haben sich gleich mehrere Medien zusammengetan, um die letztjährige Aktion der Zeit zu wiederholen. Dieses Mal unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und mit einer speziellen Plattform, die den gesamten Ablauf unterstützt und weitgehend automatisiert.

Zehntausende Diskussionspaare mit unterschiedlicher politischer Meinung werden am 23. September überall in Deutschland Vieraugengespräche führen. Bei der Aktion ,Deutschland spricht‘ kommen Menschen zusammen, die politisch möglichst unterschiedlich denken, dafür aber nahe beieinander wohnen.

Als Motivation der Teilnehmer wird durch die Organisatoren jedoch vorgegeben, dass sie in einem 4-Augen-Gespräch eines der folgenden Ziele erreichen wollen:

  • Schärfen der eigenen Argumente in einer Konfrontation mit dem Diskussionspartner

  • Abbringen des Diskussionspartners von seinen falschen Ansichten

  • Feststellen, dass das Gegenüber trotz entgegengesetzter politischer Meinung kein Unmensch ist

Die von der Zeit erstmals umgesetzte Aktion ist offensichtlich im Mainstream angekommen: Zuerst der Grimme-Preis und nun auch noch die geballte Medienmacht, der Bundespräsident als Schirmherr und Google als Sponsor für die Software hinter der Plattform.

Wenn eine interessante Idee vom Mainstream aufgegriffen wird, werden gerade wir als Leser von alternativen Medien immer misstrauisch. Zu oft ließ sich in der Vergangenheit beobachten, wie Ideen und Bewegungen, die dem Establishment gefährlich werden könnten, okkupiert, entkernt und letztlich pervertiert wurden.

Unser Anliegen für den „Stammtisch der Brückenbauer“ scheint uns ziemlich konträr zu dem von „Deutschland spricht“: Uns geht es darum, dass die Teilnehmer einander verstehen und nicht, dass sie einander überzeugen oder bewerten. Das Ziel eines Treffens sollte sein, dass der eine Teilnehmer die Sichtweise des anderen am Ende in wertschätzenden Worten wiedergeben kann – auch und gerade dann, wenn er diese Sichtweise bis zum Schluss nicht teilt.

Das ist eine intellektuelle und mentale Herausforderung!

Dahinter steht unsere Erkenntnis, dass der Wandel einer Sichtweise nur durch deren Träger selbst eingeleitet werden kann. Dies gelingt dem Träger aber nur, wenn er sich und seine Sichtweise verstanden fühlt.

Ganz bestimmt funktioniert das nicht, wenn er sich angegriffen fühlt oder wenn er den Eindruck hat, es wäre dem Anderen ein Sport, seine Argumente zu schärfen oder möglichst viele „Fehlgeleitete“ zu bekehren. Nur wenn beide Seiten sich verstanden fühlen und ihre eigene Sichtweise ganz entspannt und im Gefühl der Geborgenheit hinterfragen können, kann eine Annäherung der Sichtweisen gelingen, kann eine Resonanz geschehen.

Dennoch liegt es jetzt auch an uns, der Aktion der Mainstream-Medien eine Chance – in unserem Sinne – zu geben und die Streitkultur in unserem Land in die beschriebene konstruktive Richtung zu beeinflussen. Vielleicht nimmt der ein oder andere Leser dieses Artikels dieses Jahr an „Deutschland spricht“ teil und berichtet uns von seiner Erfahrung?


Dieser Artikel von Elisa Gratias und Ruben Schattevoy ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(Titelbild) Kinder, Unterhaltung; Autor: Pezibear (Pixabay); Datum: 8.5.2015; Quelle: https://pixabay.com/de/menschen-kinder-m%C3%A4dchen-reden-763156/; Lizenz: CC0 Creative Commons

20 Kommentare

  1. Wirkliche eine gute Idee, auf der ich nun gedanklich herumkaue. Dabei frage ich mich, ob überhaupt einer aus der anderen Fraktion Interesse daran hätte. Werden sich nicht nur Menschen treffen, die sowieso so ziemlich die selben Ansichten haben? Ich stelle mir gerade einen Mundtotmacher aus einem beliebigen Forum vor. Was sollte so einer für ein Interesse daran haben, einen Wandel seiner Sichtweise zu vollziehen? Nach meiner Erfahrung sind das alles Leute, die mit einer bestimmten Absicht antreten und eben nicht nach Erkenntnissen streben.

    1. Hallo Till Sitter,

      leider war die Resonanz auf unseren Vorschlag so mager, dass wir die Idee einstweilen nicht mehr weiterverfolgt haben. Am ehesten könnte ich mir vorstellen, dass wir einzelnen Interessierten, die sich bei uns melden, ein solches Gespräch vermitteln oder selbst mit ihnen führen. Dabei setzt uns allerdings die Notwendigkeit der räumlichen Nähe der jeweiligen Gesprächspartner enge Grenzen.

      Was meinen Sie mit der anderen Fraktion genau? Wer teilt die Menschen in ihre Fraktionen ein und nach welchen Gesichtspunkten geschieht das? Woher wissen Sie, dass wir beide Mitglied der gleichen Fraktion sind? Ich möchte die Menschen nicht in Fraktionen einteilen und halte das auch für einen grundsätzlich falschen Ansatz.

      Beim »Stammtisch der Brückenbauer« geht es nicht darum, dem Gegenüber einen Wandel seiner Sichtweise abzuringen. Es geht vielmehr darum, dass der Fragende dem Befragten aktiv zuhört. Dabei ist es das erklärte Ziel des Gesprächs, dass der Fragende am Ende die Sichtweise des Befragten in seinen eigenen Worten wiedergibt – auch und gerade, wenn er dessen Sichtweise absolut nicht teilt. Der Befragte soll schon während des Gesprächs, den Eindruck haben, dass sein Standpunkt verständnisvoll und wohlwollend erfasst wird. Der Befragte soll mit der abschließenden Zusammenfassung das Gefühl verbinden, dass sein Standpunkt wertfrei und zutreffend wiedergegeben wurde. Wenn die Sache gut läuft, ist dem Befragten beim Erklären seiner Sichtweise einiges klar geworden, was bei ihm bis dahin eher unsortiert war. Der Gedanke hinter dem Gedanken ist, dass durch dieses Format bei beiden Gesprächspartner die notwendige Entspanntheit einsetzt, damit beide anfangen können, ihren eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Am Ende kann, muss aber nicht ein Wandel von Sichtweisen stehen.

      Viele Grüße

      Ruben

      1. Sehr schade, dass es so wenig Resonanz gab, ich dachte, das Vorhaben wäre am Laufen.

        Mit der anderen Fraktion meine ich die, bei der Sie gegen die Wand gerannt sind und sich mundtotgemacht gefühlt haben. Teile ich damit diese Menschen in eine Fraktion ein? Ihr ehrenwerter Versuch, auf diese “überheblichen Leute“ zuzugehen endete offensichtlich mit einem Bruch, der sich ganz natürlich ergeben hat, ohne dass jemand etwas einteilen musste. Leben wir nicht in einer fragmentierten Gesellschaft und wie ließen sich diese Fragmente zu einem Ganzen zusammenfügen, wenn man sie nicht vorher einteilt? Im Übrigen weiß ich selbstverständlich nicht, ob wir beide zur selben Fraktion gehören und habe das auch nicht behauptet. Aber vermuten will ich es schon allein deshalb, weil wir beide offensichtlich Erkenntnisse erlangen möchten und miteinander diskutieren, statt uns anzugiften. Wenn man so will, ist unsere Fraktion erkenntnisoffen, die andere ist es nicht. Damit teile ich aber niemanden ein, die Einteilung ergibt sich von selbst, denke ich.

        Dass am Ende so einer Peaceship-Diskussion ein Wandel der Sichtweisen stehen muss, habe ich auch nicht gesagt.

        Zitat: “Dahinter steht unsere Erkenntnis, dass der Wandel einer Sichtweise nur durch deren Träger selbst eingeleitet werden kann. Dies gelingt dem Träger aber nur, wenn er sich und seine Sichtweise verstanden fühlt.“

        Deshalb dachte ich, es wäre das erwünschte Ziel dieser Art der Diskussion. Für mich selbst sehe ich da keine Schwierigkeit, ich bin fast 60 und Sie können sich sicher vorstellen, wie oft sich meine Sichtweise schon geändert hat. Die Fraktion, bei der man gegen die Wand rennt, hat aber sicher kein Interesse daran, Sichtweisen zu ändern, weshalb ich davon ausgehe, dass man sich nahezu ausschließlich nur mit Gleichen treffen würde.

        “Das Gleiche kann nur vom Gleichen erkannt werden.“
        (Goethe)

        Herzliche Grüße
        Till

      2. Hallo Till Sitter,

        ich bin immer noch unsicher, ob ich Sie in Bezug auf die andere Fraktion richtig verstehe. Sie in diesem Punkt richtig zu verstehen, scheint mir aber wichtig zu sein.

        Zunächst definieren Sie die andere Fraktion als die Menge aller Menschen, bei denen Sie schon einmal gegen eine Wand gelaufen sind oder von denen Sie schon einmal mundtot gemacht wurden. Im Folgenden beziehen Sie sich dann aber auch auf die Fragmentierung unserer Gesellschaft insgesamt. Insofern scheinen für Sie auch Menschen, mit denen Sie nie im persönlichen Austausch waren, zur anderen Fraktion gehören zu können. Bestimmende Merkmale scheinen deren Überheblichkeit und deren nicht vorhandene Wunsch nach Erkenntnis zu sein.

        Wie passt es zu Ihrem Einteilungsschema, dass sich die Standpunkte der Menschen immer mal wieder ändern, ebenso wie die Stimmung und die jüngsten Eindrücke unter denen sie stehen? Wie passt es dazu, wenn Sie bei einem Menschen in machen Punkten gegen eine Wand zu laufen scheinen, während Sie bei anderen Punkten aber eher den Eindruck haben, mit ihm an einem Strang zu ziehen? Ist es nicht »überheblich« andere Menschen überhaupt einem – noch dazu subjektiven und vermutlich auch noch dynamischen – Ordnungsschema zu unterwerfen? Wieviel müssen Sie über einen Menschen wissen, bevor Sie ihn für sich einordnen können? Reduziert sich durch diese Einteilung nicht Ihr möglicher Erkenntnisgewinn? Machen Sie die Menschen der anderen Fraktion nicht mundtot, indem Sie sich quasi die Ohren zuhalten, wenn diese etwas zu sagen haben? Welche Handlungen erfolgen oder unterbleiben aufgrund dieser Einteilung und welchen Nutzen stiften diese Handlungen? Führt diese Einteilung nicht dazu, dass Sie gerade Menschen in Ihrem unmittelbaren Umfeld der anderen Fraktion zuordnen und somit in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft eher Gräben ausheben als Brücken bauen, also der Fragmentierung der Gesellschaft Vorschub leisten?

        Gerade die letzte Frage beschäftigt mich persönlich sehr. Ich selbst mache leider auch immer wieder die Erfahrung, dass ausgerechnet Menschen, die mir nahe stehen sich gegenüber den offenkundigen Wahrheiten, die spätestens seit dem Aufkommen der freien Medien auf dem Tisch liegen, untertänigst zu verschließen scheinen. In Bezug auf die freien Medien habe ich mich übrigens auch schon einmal mundtot gemacht gefühlt, weil ich einen mir sehr wichtigen Artikel auf keiner der einschlägigen Plattformen veröffentlichen durfte und ihn daher auch nicht in den öffentlichen Diskursraum einbringen konnte. Ich sehe es aber so, dass jeder Mensch einen individuellen Werdegang und Kenntnisstand hat, sich in einer spezifischen Lebenssituation befindet, über einzigartige Fähigkeiten verfügt, aber auch einzigartigen Beschränkungen unterliegt. Ich bemühe mich daher, die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind – ganz so, wie ich mir das auch für mich erhoffe. Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene von ihm selbst gesteuerte Entwicklung. Ich bin nicht von der Vorstellung getrieben, anderen Menschen ungefragt bei ihrer Entwicklung zwanghaft helfen zu müssen. Ich will meinen Weg gehen dürfen und Angebote für Zusammenarbeit machen. Wenn eine Zusammenarbeit gelingt, ziehe ich daraus eine große Befriedigung. Wenn nicht, dann eben nicht. Das ist mir kein Grund, die Menschen in meiner Umgebung zum Objekt meiner Bewertungen zu machen. Ich führe das hier auch deshalb so weit aus, weil das ein Teil der Gedanken ist, der hinter der Idee mit dem »Stammtisch der Brückenbauer« steht.

        Viele Grüße

        Ruben

      3. Lieber Ruben,

        gegen die Wand laufen und Mundtotmachen habe ich dem obigen Artikel entnommen. Was ich sagen will, ist, dass Menschen sich durch ihr Verhalten selbst einer bestimmten Fraktion zuordnen und dass die Fraktion, wo man gegen die Wand rennt, in der Regel kein Interesse an einem konstruktiven Dialog hat. Hätten sie es, würde man ja nicht gegen die Wand rennen. Wenn ich in einem Forum eine Diskussion lese wie die von Ped im Beitrag “Mutmacher“ beschriebene, dann ordne ich diejenigen, die statt zu argumentieren zu persönlichen Angriffen übergehen, dieser Fraktion zu, ohne mit ihnen im Austausch gewesen zu sein. Das schon deshalb, weil ich mit Dutzenden solcher Leute unendlich viel Zeit verschwendet habe. Solche Leute scheinen einen Auftrag oder ein Mission zu haben. Mit Menschen aus meiner unmittelbaren Umgebung ist es ähnlich, wobei die Gräben dabei nicht von mir ausgehoben werden. Sie selbst sind es, die sich verweigern, indem sie Argumenten nichts anderes entgegensetzen können oder wollen als persönliche Angriffe. Im persönlichen Umfeld ist es bei mir allerdings sehr selten so weit gekommen. Wenn man jemandem in die Augen schauen kann findet sich eigentlich immer ein Weg, eben weil “jeder Mensch einen individuellen Werdegang und Kenntnisstand hat, sich in einer spezifischen Lebenssituation befindet, über einzigartige Fähigkeiten verfügt, aber auch einzigartigen Beschränkungen unterliegt“. Da greift dann die Empathie und man kann ganz anders auf den Menschen zugehen.

        Aber mal Hand aufs Herz: Denken Sie, dass Leute, die sich “offenkundigen Wahrheiten“ verschließen, Interesse daran hätte, am “Stammtisch der Brückenbauer“ Platz zu nehmen? Man kann vielleicht über jeden Abgrund eine Brücke bauen, aber solange die Wahrheitswächter auf der anderen Seite sich noch in der Mehrheit und erfolgreich wähnen, wird sie kaum jemand von der anderen Seite her benutzen, denke ich aus Erfahrung. Deshalb mein Einwand, dass den Stammtisch wohl nur Menschen nutzen würden, die es am Wenigsten nötig haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will das alles nicht madig machen, wie gesagt halte ich es für eine ausgezeichnete Idee, ich kaue eben nur darauf herum und bringe meine Gedanken dazu ein, die vielleicht richtig oder falsch sind. Dabei bin ich mir allerdings auch nicht sicher, ob ich Sie immer richtig verstehe. Aber wir kommen uns sicher näher, wenn wir so weiter machen. 🙂

        Übrigens soll meine Einteilung keine Wertung sein, ich halte niemanden von der anderen Fraktion für schlecht oder von meiner Fraktion für gut. Aber was er oder sie tut ist schlecht oder eben gut.

      4. Hallo Till Sitter,

        Denken Sie, dass Leute, die sich »offenkundigen Wahrheiten« verschließen, Interesse daran hätte, am »Stammtisch der Brückenbauer« Platz zu nehmen? Man kann vielleicht über jeden Abgrund eine Brücke bauen, aber solange die Wahrheitswächter auf der anderen Seite sich noch in der Mehrheit und erfolgreich wähnen, wird sie kaum jemand von der anderen Seite her benutzen, denke ich aus Erfahrung. Deshalb mein Einwand, dass den Stammtisch wohl nur Menschen nutzen würden, die es am Wenigsten nötig haben.

        beim nochmaligen Lesen meines letzten Kommentars ist mir aufgefallen, dass ich am Ende doch vergessen habe, die »offenkundigen Wahrheiten« mit einem Halbsatz zu flankieren, der deutlich macht, dass ich mir darüber im klaren bin, dass es sich dabei um meine subjektive Einschätzung handelt, die andere Sichtweisen nicht abwerten soll, bloß weil sie mir aktuell nicht zugänglich sind.

        In diesem Sinne kann ich auch beim letzten hier zitierten Satz nicht mitgehen. Wer einen Gang zum »Stammtisch der Brückenbauer« nötiger als andere hat, will und kann ich nicht entscheiden. Auch das könnte ich nur, wenn ich mich im Besitz einer absoluten Wahrheit wähnen würde. Im übrigen soll niemand nicht zum »Stammtisch der Brückenbauer« gehen, weil er es nötig hat, sondern weil er sich davon einen Vorteil erhofft.

        Ich profitiere sowohl als Fragender als auch als Befragter von einem Gang zum »Stammtisch der Brückenbauer«. Als Fragender muss ich bereit sein, über meinen Schatten zu springen und dem anderen eine Bühne zu geben, mich für die Dauer des Gesprächs seiner Sichtweise hingeben und sie liebevoll behandeln. Als Befragter sollte ich zu einer spannenden Fragestellung eine pointierte Sichtweise haben, diese einem Fremden erklären wollen und bereit sein, auch bohrende Verständnisfragen zu beantworten, ohne dabei ungeduldig zu werden. In beiden Rollen profitiere ich gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen erweitere ich meinen Horizont und trainiere meine zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Zum anderen trage ich meinen Teil dazu bei, dass die Fragmentierung der Gesellschaft zurückgedrängt wird und die Solidarität zwischen den Menschen wieder wächst.

        Meine Einteilung soll keine Wertung sein, ich halte niemanden von der anderen Fraktion für schlecht oder von meiner Fraktion für gut. Aber was er oder sie tut ist schlecht oder eben gut.

        Hier habe ich gezuckt. Zwar erklären Sie, dass Sie niemanden von der anderen Fraktion für schlecht oder von Ihrer eigenen Fraktion für gut halten, aber Sie scheinen doch zu wissen, wer zu welcher Fraktion gehört. Mich irritiert auch, dass Sie die Vertreter der anderen Fraktion maximal für nicht schlecht und die Vertreter der eigenen Fraktion für maximal nicht gut halten. Damit scheinen Sie doch zumindest in abgeschwächter Form entscheiden zu können, wer gut und wer schlecht ist. Mit dem Handeln der Menschen ist es so ähnlich. Offenbar können Sie die Unterscheidung zwischen einer guten und einer schlechten Tat treffen. Ich empfinde Ihre Einstellung insgesamt schon als wertend und bin insofern irritiert, dass Sie Ihren Satz mit den Worten »Meine Einteilung soll keine Wertung sein« einleiten.

        Dabei bin ich mir allerdings auch nicht sicher, ob ich Sie immer richtig verstehe. Aber wir kommen uns sicher näher, wenn wir so weiter machen.

        Schriftlich zu kommunizieren ist immer schwierig, zumal, wenn man sich nicht auch persönlich kennt. Dabei können nur all zu leicht Missverständnis entstehen und sich dann immer weiter aufschaukeln. Irgendwann muss man zum Hörer greifen oder sich mal treffen. Am besten, bevor sich irgendwelche Missverständnisse aufzuschaukeln beginnen.

        Viele Grüße

        Ruben

      5. Hallo Ruben,

        offensichtlich missverstehen wir uns tatsächlich bzw. habe ich das Projekt nicht richtig verstanden.

        “Für diejenigen, die sich nach Abenteuer und Aufregung sehnen, und die wirklich zum Weltfrieden beitragen möchten, anstatt auf Facebook andere mundtot zu machen.“

        Diesen Satz aus dem Beitrag habe ich wohl nicht richtig wahrgenommen und deshalb nicht bemerkt, dass sich das Angebot gar nicht in erster Linie an die Fraktion der Mundtotmacher richtet. Somit ist einiges aus meinen Kommentaren gegenstandslos.

        Sie schreiben:

        “Hier habe ich gezuckt. Zwar erklären Sie, dass Sie niemanden von der anderen Fraktion für schlecht oder von Ihrer eigenen Fraktion für gut halten, aber Sie scheinen doch zu wissen, wer zu welcher Fraktion gehört. Mich irritiert auch, dass Sie die Vertreter der anderen Fraktion maximal für nicht schlecht und die Vertreter der eigenen Fraktion für maximal nicht gut halten. Damit scheinen Sie doch zumindest in abgeschwächter Form entscheiden zu können, wer gut und wer schlecht ist. Mit dem Handeln der Menschen ist es so ähnlich. Offenbar können Sie die Unterscheidung zwischen einer guten und einer schlechten Tat treffen. Ich empfinde Ihre Einstellung insgesamt schon als wertend und bin insofern irritiert, dass Sie Ihren Satz mit den Worten »Meine Einteilung soll keine Wertung sein« einleiten.“

        Meiner Erfahrung nach ist ein Mensch nicht schlecht, nur weil er schlechtes tut. Wenn ich die Handlung eines Menschen als schlecht einstufe, ist es doch nicht automatisch ein Werturteil über diesen Menschen. Warum versuchen sie, solches zu suggerieren, obwohl ich ganz deutlich schrieb, dass ich niemanden von der anderen Fraktion für schlecht halte? Weil ich mir anmaße, eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Taten zu machen? Man kann sich natürlich philosophisch bspw. darüber streiten, ob es eine schlechte Tat ist, die Menschheit auszurotten, ich entscheide jedoch aus vielerlei Gründen, dass es eine schlechte Tat ist, ohne mich darüber lang und breit zu streiten. Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass eine Unterscheidung subjektiv ist, aber eine Einteilung in gute und schlechte Taten ist kein Werturteil über den Täter.

        Was die Kommunikation betrifft, wird es wohl beim schriftlichen bleiben, es sei denn, Sie würden mal in Ungarn Urlaub machen. Ich lebe nämlich hier und kann mir nicht vorstellen, außer in einem Notfall noch einmal nach D zu fahren. 😉

      6. Lieber Till Sitter,

        entschuldigen Sie bitte die etwas verzögerte Reaktion, ich war die letzten Tage beruflich arg eingespannt…

        Ich glaube, dass ich in Bezug auf die Frage nach der Wertung von Menschen wie auch von Taten besonders sensibel bin. Möglicherweise bin ich übersensibel. Ich glaube nun auch, dass ich Ihre Aussagen überinterpretiert habe. Insofern bitte ich auch dafür um Entschuldigung.

        Nach Ungarn komme ich die nächste Zeit sicher nicht. Aber vielen Dank, dass Sie mir mit Ihren Fragen und Ihrem Interesse an der Idee des »Stammtischs der Brückenbauer« geholfen haben, meine Gedanken weiter zu sortieren.

        Viele Grüße

        Ruben

      7. Lieber Ruben,

        kein Problem, ich sehe keine Schuld und somit keinen Grund, etwas zu entschuldigen. 😉 Ihre Sensibilität kann ich nachvollziehen und es ist erfreulich, dass Sie die Gefahr der Übersensibilität erkannt haben. Wir haben sicher beide etwas aus dieser Diskussion mitgenommen und auch ich habe zu danken.

        Herzliche Grüße

        Till

  2. War es nicht der Bundespräsident -(Darsteller), der Ostdeutsche als Mob /Pack bezeichnet hat? War er es nicht auch , der für ein Konzert geworben hat, bei dem Musikgruppen spielen, die Gewalt verherrlichen ? Tut mir leid, mein Vertrauen in (halb-)staatliche Initiativen ist aufgebraucht. Restlos !
    Aber trotzdem ist die Idee gut. Mit einer meiner ältesten Freundinnen übe ich diese Diskussion immer wieder, achtsam, respektvoll und bis an die Grenze des für uns beide Erträglichen.

  3. Hallo, es ist zum verzweifeln. Ich versuche so oft wie möglich mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, egal ob Freunde oder Fremde – sobald 11. Sept. oder Impfen oder Smartphone oder Druschba oder sonst was zum Thema wird werden irgendwie alle komisch. Gehen auf Modus # Höre bitte auf damit! Bist du jetzt auch so’n Durchgeknallter!#
    Kaum einer will was wissen – Jeder hat ja nix zu verbergen (w-app)
    “ DIE!? wissen doch sowieso alles über mich- da ist das jetzt auch egal!“ oder
    „ne,ne ich verbrenn mir doch nicht den Mund“ und “ Meine Zukunft verbaue ich mir nicht wegen diesem Mist“…
    Dabei will ich mich so gern mit anderen austauschen und Argumente pro/contra hören.
    Fast alle verfallen sofort in das links-rechts Schema und wettern über die Idioten der „anderen“ Seite.
    Ganz ehrlich : Da war ich auch vor 25 Jahren als ich noch tief und fest geschlafen habe. Kann und will ich nicht mehr dran teilnehmen. Aber es ist so tief in vielen, vielen Gehirnen installiert und fest verankert.
    Ein langer Atem wird notwendig sein die Definition des Begriffes „Menschheitsfamilie“ zum alltäglichen Gedankenmuster zu formen.
    Falls unsere Kinder noch zum selbst denken befähigt sein werden.

    1. Es ist zum Verzweifeln. Ich versuche so oft wie möglich mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, egal ob Freunde oder Fremde…

      Mir und wahrscheinlich vielen anderen Mitlesern geht es ähnlich. Der Neoliberalismus hat in Sachen Vereinzelung wahrlich ganze Arbeit geleitet.

      Da war ich auch vor 25 Jahren als ich noch tief und fest geschlafen habe… Falls unsere Kinder noch zum Selbstdenken befähigt sein werden.

      Wir sollten unseren Kindern auch 25 Jahre geben, um die notwendige Lebenserfahrung zu sammeln 😉 Ich hoffe nur inständig, dass sie diese Zeit noch haben werden bzw. dass dann noch ein Resthandlungsspielraum für sie übrig ist.

      Bei unserem Vorstoß geht es Elisa Gratias und mir nicht darum, Menschen eine Plattform für kontroverse Diskussionen anzubieten. Selbst wenn das auch eine interessante Sache wäre, verfolgen wir hier einen anderen Ansatz, in dem es eher um aktives Zuhören geht.

  4. Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mir die Plattform angesehen. Meiner Meinung nach ist das ein interessanter Ansatz, um zu strittigen Themen eine ausgewogene Darstellung der Argumente zu finden. Dass das am Ende weder einfach noch überhaupt eindeutig ist, erkennt man an den Kommentaren unter den Artikeln. Dieser Ansatz könnte vielleicht dazu beitragen, die Misere bei der deutschen Wikipedia zu bereinigen 😉

    Elias Gratias und mir geht es mit unserem Vorschlag um etwas anderes. Es geht uns darum, dass sich jeweils zwei Menschen zusammenfinden, die einander widersprechenden Meinungen oder gar Haltungen haben und darüber in einen wertschätzenden Austausch gehen. Ziel ist, die Meinung des anderen soweit zu verstehen, dass man sie in seinen eigenen Worten wertschätzend und verständlich wiedergeben kann. Dabei geht es explizit nicht darum, die Meinung des anderen zu hinterfragen oder gar zu überzeugen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass man seine Meinung nur selbst hinterfragen kann und dass man das nur tut, wenn man sich geborgen, anerkannt und verstanden fühlt.

  5. Vielen Dank für die schönen Anregungen – zwei Gedanken zum Thema:

    a) Der Begriff „Wutbüger“ ist eine Verunglimpfung.
    Die Deutschen haben ja, um den Verdacht des Noblen aus der Debatte herauszunehmen, diese hässliche und entwürdigende Wort „Wutbürger“ in die Debatte eingeführt. Damit versuchen sich gelassene und zynische Redakteure über nicht gelassene und nicht zynische Bürger zu erheben, um ihnen zu attestieren, sie würden aus niederen Motiven politische Unruhe zu stiften versuchen.

    Das richtige Wort wäre „Zorn“ – weil der Zorn als moralische Energie schon immer ein unentbehrlicher Begleiter des Gefühls für Gerechtigkeit war !
    Wenn es also gelänge, die negativ konnotierte Wut durch den positiv konnotierten Zorn zu ersetzen, wäre vieles besser, bis zum Ende dieser Tage:
    »Dies irae dies illa, Solvet saeclum in favilla.«

    b) Es handelt sich bei allen diesen öffentlichen Vorgängen zweifelsohne um einen ständigen Test der kollektiven Erregbarkeit, ein Fieberthermometer des gemeinsamen inneren Zorns, (der ja im Gegensatz zur Wut immer einen Bezug zur Gerechtigkeit hatte (siehe auch die „thymotische Kraft“ *)) des Bürgertums: Stinkefinger, Putin-Versteher, Teilzeitreisende, Steuerflüchtlinge, Imfgegner, Kachelmänner, Wohltätigkeits-Apostel, Telefon-Sex-Arbeiterinnen etc. pp.

    Das hält einen so schön vom Nachdenken ab:
    Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für einen guten Sonntag.

    *) „Das griechische Kennwort für das ‚Organ‘ in der Brust von Helden und Menschen, von dem die großen Aufwallungen ausgehen, lautet ‚thymos‘ – es bezeichnet den Regungsherd des stolzen Selbst, zugleich auch den rezeptiven ‚Sinn‘, durch den die Appelle der Götter sich den Sterblichen kundgeben.“ (Sloterdijk „Zorn und Zeit“, S. 24)

    1. „Die Vernunft kann sich mit größerer Kraft dem Bösen entgegenstemmen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.“

      Einführung in Herrschaftssprache durch Georg Schramm:

      Herzliche Grüße, Ped

  6. Es gibt einen hervorragenden Indikator, um auf Anhieb zu wissen, ob es Sinn macht, mit seinem Gesprächspartner -dem ich a priori das unterstelle, was für wohl 99% der Menschheit gilt, dass er/sie nicht viel mehr als Frieden, Freiheit, (Rechts-) Sicherheit, bescheidenen Wohlstand in einer intakten Umwelt für sich und die Seinen wünscht- über (welt-) politische Dinge zu reden: die Frage, wie viele Gebäude an 9/11 kollabierten. Wenn der Betreffende nur von den beiden Türmen weiß, dann ist automatisch klar, dass er eines dieser unglaublich vielen manipulierten und gehirngewaschenen Schäfchen darstellt und diesen Zustand wohl auch nicht ändern möchte. Gespräche mit diesen Zeitgenossen sind sinnlos, da sie nicht einmal ansatzweise erfasst haben, dass sie in einer vollkommen pervertierten Welt ein Sklavendasein fristen. Wenn der Gegenüber weiß, dass 9/11 eine weitere der nahezu unzählbaren perfiden False-Flag-Aktionen war, um unter dem Vorwand des „Kampf gegen den Terror“ weltweit bürgerliche Rechte und Freiheiten einzuschränken und unliebsame Staaten zu „demokratisieren“, dann ist die einzige Frage, wie sehr der Kenntnisstand differiert. Man wird aber immer genügend „gemeinsame Nenner“ finden.

    1. Ich bin der Meinung, dass ich prinzipiell mit jedem Menschen über jedes Thema reden können sollte. Wenn ich mir das einmal nicht vorstellen kann, tippe ich zunächst auf ein Unvermögen meinerseits. Solche Situationen noch in der Zeitspanne zwischen Reiz und Reaktion zu erkennen, verschafft mir die Gelegenheit, in mich hinein zu horchen und in Echtzeit zu ergründen, was da wohl gerade wieder in meinem inneren abgeht. Ich arbeite daran, schnell genug zu werden. Wenn ich erfolgreich bin, werde ich meistens durch ein besonderes »Ah-Ha!«-Erlebnis belohnt – sei es beim Zwiegespräch mit meinem Selbst, sei es beim anschließenden Gespräch mit meinem Gegenüber. Die Hoffnung auf solche Erfolgserlebnisse treibt mich zum Lernen an. Sie lässt mich die Rückschläge wegstecken und die Mühe immer wieder auf mich nehmen.

  7. Vielleicht könnten wir die Idee zunächst im Kreise der Interessenten ohne jede Technikunterstützung verproben und dabei Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung sammeln. Die Technikunterstützung wird meiner Meinung nach erst dann wichtig, wenn wir so viele geworden sind, dass der logistische Aufwand nicht mehr handhabbar ist.

  8. Eine sehr wertvolle Idee: Peaceship.de und ein gesunder Ansatz unsere Demokratie wieder zu dem werden zu lassen, was sie eigentlich beinhaltet. Ich bin sehr gern dabei.

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